Das Königreich Altarra ist in Gefahr. Die Kriegsgöttin Corvynne herrscht seit Jahrzehnten erbarmungslos über weite Teile des Landes und alle Prophezeiungen sind sich einig: Niemand kann sie besiegen. Bis eine Magierin das ganze wörtlich nimmt und nach Niemanden schickt darunter Soli, eine Leibeigene des Palasts, die tatsächlich die erste zu sein scheint, die das Blatt wenden könnte. Gemeinsam mit einer zusammengewürfelten Truppe macht sie sich auf den Weg, die Schwester-Göttin Artemisen zu befreien, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Was für eine coole Grundidee! Den Begriff "Niemand" wörtlich zu verstehen und so die Basis für eine "Königreich-Rettungs-Mission" zu schaffen, find ich spannend, und auch wenn es nichts neues ist, dass eine eher unscheinbare, scheinbar unwichtige Person plötzlich die Auserwählte ist, so mochte ich doch diesen Twist, den Nobody's Quest mitbringt. Auch gefiel mir sehr, was das Buch sonst noch mitbringt: Ich finde es immer toll, wenn eine so bunt gemischte Truppe sich zusammentun, ihre Differenzen beilegen und sich vertrauen muss, um die Reise zu bestehen. Und ich liebe so Heldenreisen durch das Land, wo man viel unterwegs ist, unterschiedliche Eindrücke hat, und quasi von Ziel zu Ziel zieht. Das war auch hier sehr cool gemacht, nur leider blieb das World Building dabei etwas oberflächlich.
Was ich besonders mochte, ist, dass hier mit den Greyminds das Thema Mental Health eingebaut ist. Soli ist eine Greymind, und diese werden in ihrem Reich geächtet. Es scheint wie eine magische Form von Depressionen zu sein und umso wichtiger ist, dass wir hier in einem Jugendbuch von Soli lernen, dass sie, trotz Vorurteilen und Unverständnis, nicht weniger wert ist. Wie sie über sich redet, wie sie Kraft schöpft auf ihrer Reise, wie sie sich nicht unterbuttern lässt, hat mich beeindruckt. Zum Beispiel als einer aus der Gruppe ihr sagt, sie sei zart besaitet, und sie das nicht auf sich sitzen lassen kann. Oder als ihr andere die ganze Zeit viel zu vehement erklären wollen, wie stark sie doch ist und dass sie nicht wankt und sie beteuert, dass es okay ist, Schwäche zu zeigen und sie sich von ihnen unter Druck gesetzt fühlt. Mega! Nur ... leider blieb mir das ganze Thema trotzdem zu oberflächlich. Im weiteren Verlauf der Story spielte ihr Greymind-Dasein eine recht kleine Rolle, und auch als sie im Grau verschwindet (wie die Phasen hier genannt werden), ist es recht schnell abgetan.
Womit ich außerdem Probleme hatte, war der Love Interest Kaelen und generell die Charakter-Zeichnungen. Kaelen war ... weird. Irgendwas an seinem Charakter fühlte sich nicht richtig an, so als hätte man versucht, ihn nach Tropes zu bauen, nicht mit einer Persönlichkeit und Charakterzügen. Er ist viel zu schnell viel zu heftig angetan von Soli auf Basis von überhaupt nichts. Ich mag einfach keine Liebesgeschichten mehr lesen, für die es keinen Grund gibt. Man muss sich doch erstmal kennenlernen. Schnelle körperliche Anziehung okay. Aber Kaelen überschlägt sich von Anfang an mit lobenden Adjektiven, Ausdrücken von "Was machst du nur mit mir" nachdem sie sich 10 Minuten kennen. Und gleichzeitig macht er ohne verständlichen Grund ein Drama daraus, dass sie sich ja nicht zu nahe kommen dürfen. Auch war ich kein Fan von den spicy Szenen oder den "selbstgefälligen und hungrigen" sexuellen Blicken während sie fast ertrinken ist das der Übersetzung geschuldet oder muss das so? Die Dynamik zwischen Soli und Kaelen war einfach nicht meins.
Die anderen Charaktere wiederum bleiben alle echt blass. Ich weiß nach dem Buch im Prinzip nichts über sie, außer ihre Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Gruppe. Der Soldat. Die Kriegerin. Der Sylvaner. Aber darüber hinaus?
An sich mochte ich die Handlung gern. Die Reise, die Aufgaben, die Gefahren. Die Idee die dahintersteckte. Und ich empfinde durchaus etwas Neugier, wie es wohl weiterginge. Aber durch die Tatsache, dass mir vieles zu oberflächlich war und die Charaktere für mich nicht funktioniert haben, war es kein Buch FÜR MICH (aber ja vielleicht für euch).
Knappe 3 Sterne