Nach dem Klappentext und dem Online-Hype war ich mir so sicher, dass ich hier mein nächstes 5-Sterne-Buch lese. Aber das ist wohl die Tücke, wenn man mit zu hohen Erwartungen an etwas rangeht - meist wird die Messlatte nicht erreicht.
Dennoch muss ich sagen: Das ist eins der originellsten und interessantesten Bücher, die ich 2026, oder vielleicht auch jemals, gelesen habe. Es hat mir durchweg Spaß gemacht und ich bin auch keineswegs enttäuscht von der Story.
Ganz im Gegenteil, ich habe es paradoxerweise geliebt, in Natalies Kopf zu stecken. Dabei verkörpert sie so ziemlich alles, was ich in meinem Privatleben ablehne. Aber aus psychologischer Sicht ist es total faszinierend, Natalies Narzissmus, ihre verinnerlichte Misogynie und christliche Erziehung und die daraus resultierende Doppelmoral zu zerpflücken. Wirklich fantastisch geschrieben!
Was mich etwas unschlüssig zurücklässt, ist das Ende bzw. die Auflösung. Es war schon klar, dass diese Vergangenheitssprünge irgendwie abgefahren aufgelöst werden, und so kam es auch. Ich kann nicht mal sagen, dass ich das Ende schlecht finde, aber eben auch nicht supergut?
Jedenfalls hätte mir die Gegenwart als einziger Erzählstrang auch gereicht. Dort erfährt man am meisten über Natalies Vergangenheit und Umfeld und steigt in ihren Kopf ein. Und das ist für mich die klare Stärke von "Yesteryear": Die scharfe Kritik am Trad-Wife-Movement und dem Konservatismus als Ganzes. Wer hier im Thema drin ist oder mehr darüber lernen möchte, klare Empfehlung!