Der Bucheinband zeigt sehr schön den Gegensatz zwischen dem tatsächlichen Leben in der Pionierzeit der ersten Siedler um circa 1805 und dem romantisierten Leben, das die Tradwife/Influencerin vorspielt: eine bäuerlich gekleidete Frau umgeben von reifen Feldern, die sich selbst mit dem Handy filmt.
Natalies Werdegang wird geschildert, die Erfahrungen im College, wo sie als Außenseiterin gemobbt wird - ihre einfache Kleidung, sie mag keinen Alkohol, nimmt kein MakeUp, hat schreckliches Heimweh nach ihrer Mutter und dem gewohnten Leben. Das keusche, strenggläubige Mädchen heiratet mit 20 Jahren Caleb, einen reichen Nichtstuer. Holpriger Start als Ehefrau und Mutter - so unaufgeklärt wie sie ist. Sie kaufen mit Hilfe des Schwiegervaters ein Farmhaus mit viel Land und wollen es als Bio-Bauern versuchen. Ihr teuer "auf alt" getrimmtes Haus ist perfekt in Szene gesetzt - die Ästhetik der alten Zeit, aber mit modernem Komfort.
Natalie ist überfordert mit allem - den Kindern, dem Haushalt, der Farm. Wenn der Schwiegervater den Geldhahn zudreht, ist es aus! Ein Social-Media-Marketing-Kurs bringt sie auf die Idee mit dem Instagramkanal namens Unsere süße kleine Farm. Ab dann geht es steil aufwärts - die Zahl der Followers und Likes steigt raketenartig in die Höhe, aber auch gehässige Kommentare ebenso wie Lobreden und Starkult nehmen zu.
Doch die Diskrepanz zwischen der perfekten Online-Nathalie in der Farm- und Familienidylle und der wirklichen erschöpften Nathalie im Offline-Leben, wird zum Riesenproblem.
Alles ändert sich - ist es ein Alptraum? Sie findet sich in einer Welt wieder, in der sie misshandelt, gedemütigt und körperlich verletzt wird. Das kann nur eine Realityshow sein, in der sie ohne ihr Wissen mitspielt. Ist sie verrückt geworden, von bösen Geistern besessen? Oder will GOTT sie prüfen, ihren Glauben und ihre Durchhaltekraft testen?
Es ist beklemmend, im Verlauf des Buches zu erleben, wie die zwei Welten auseinander driften. Wie alles über ihr zusammenbricht, ist eindrucksvoll geschildert. Natalie plant ihre Flucht, doch es kommt ganz anders. Man muss das Buch bis zum bitteren Ende durchlesen, um die Ereignisse - ihr Erleben - einordnen zu können.