Wir kennen es aus den Sozialen Medien: Das Bild eines weitläufigen, irgendwo im Nirgendwo gelegenen Bauernhofs, der aussieht, als wäre er das Top-Objekt aus dem Verkaufsprospekt des Immobilienmaklers. Die heimelige Küche auf dem Land, deren Einrichtung blitzt und blinkt, in der die junge, bildhübsche Hausfrau mit Rüschenschürze Brote backt und/oder Mahlzeiten aus dem selbstangebauten Gemüse für ihre Großfamilie zubereitet. Um sie herum eine vielköpfige Kinderschar und der gutaussehende ¿Pater familias¿. Eine harmonische Familie, die die ¿alten¿ Werte lebt und in der alle glücklich und zufrieden sind. Aber ist das wirklich so?Zeigen die Reels der ¿Tradwives¿ deren Realität oder lediglich ihr gefaktes Leben für die Millionen Follower, das sich in klingender Münze auszahlen soll? Und was macht das auf lange Sicht mit den Beteiligten, insbesondere mit den Kindern? Wie wirkt sich dieses permanente ¿Vorführen¿ auf deren Entwicklung aus?Und was sagt der Erfolg eines solchen nach rückwärts gerichteten Formats, das traditionelle und religiös geprägte Werte, vor allem im Hinblick auf Geschlechterrollen und Mutterschaft, ohne kritisches Hinterfragen in die Welt schickt, über den Zustand der jeweiligen Gesellschaft aus?Das sind einige der Fragen, die mir bei der Lektüre von Caro Claire Burkes ¿Yesteryear¿ in den Sinn kamen. Mich hat dieser Roman nicht unterhalten. Er hat mich gefordert, war anstrengend zu lesen, hat zum Nachdenken genötigt. Und nein, das war weder eine Satire noch ein Thriller, sondern in erster Linie der blanke Horror.