Mit Alexander wagt sich Ferdinand von Schirach erstmals an ein Kinder- und Jugendbuch und beweist dabei eindrucksvoll, dass große gesellschaftliche Fragen auch in einfacher, zugänglicher Form erzählt werden können. Im Mittelpunkt steht der Junge Alexander aus der antiken Stadt Kaliste, dem eine außergewöhnliche Aufgabe übertragen wird: Er soll gute Gesetze finden, damit in seiner Heimat nie wieder eine Tyrannei entstehen kann.
Auf seiner Reise begegnet Alexander ganz unterschiedlichen Figuren einem Orakel, einem Modeschöpfer, einem Soldaten und einem Philosophen. Jede Begegnung eröffnet ihm neue Perspektiven auf Gerechtigkeit, Macht, Freiheit und Verantwortung. Schritt für Schritt erschließen sich so die Grundprinzipien der Demokratie. Die Handlung gewinnt zusätzlich an Spannung durch die drohende Gefahr eines Angriffs auf Kaliste, der nur durch Alexanders rechtzeitige Rückkehr verhindert werden kann.
Das Buch ist sehr gelungen. Obwohl es als Jugendbuch konzipiert ist, bietet es auch für Erwachsene wertvolle Denkanstöße. Ferdinand von Schirachs Schreibstil ist klar, anschaulich und einfühlsam. Komplexe Themen wie gerechte Gesetze und Demokratie werden stark vereinfacht dargestellt, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Gerade diese Reduktion auf das Wesentliche macht das Buch besonders wirkungsvoll und verständlich.
In einer Zeit, in der demokratische Werte immer wieder in Frage gestellt werden, ist Alexander ein wichtiges und aktuelles Buch. Es regt dazu an, über das Zusammenleben in einer Gesellschaft nachzudenken unabhängig vom Alter der Leserinnen und Leser. Abgerundet wird das Werk durch die liebevollen, vierfarbigen Illustrationen des Autors, die die Geschichte zusätzlich bereichern.
Fazit: Alexander ist ein kluges, zeitloses und lehrreiches Buch, das junge Leser behutsam an demokratische Grundwerte heranführt und auch Erwachsenen neue Perspektiven eröffnet.