Opulenter aber durchaus interessanter Mittelalterroman
Nach dem erfolgreichen Mailandfeldzug gelang es Reinhold von Dassel, Erzbischof von Köln, Barabarossa zu überzeugen, dass er die erbeuteten Gebeine der heiligen drei Könige mit nach Köln nehmen darf. Diese Reliquien locken unheimlich viele Pilger in die Stadt. Jahre später beschließt der damalige Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg einen opulenten Goldschrein für diese Gebeine zu bauen. Er schickt seinen treuen Gefährten Jilles nach Verdun. Dort lebt der Goldschmied Nicolaus. Ihm möchte er gerne aufgrund seines guten Rufes damit beauftragen. Nicolaus folgt dem Ruf mit dem Rest seiner Familie. Natürlich sind die Kölner Goldschmiede davon nicht begeistert. Wird Nicolaus in Köln seinen Frieden finden, trotz familiärer Rückschläge und den Anfeindungen seiner Handwerkskollegen? Opulente und realistische Erzählung Sabine Weiss ist als versierte Autorin des historischen Genres bekannt. Neben dem Goldschmied Nicolaus von Verdun begegnen wir im Romanverlauf noch vielen historischen Persönlichkeiten jener Zeit. Über die Familiengeschichte des Goldschmieds ist weiter nichts bekannt. Doch die Autorin hat Nicolaus mehrere fiktive Familienmitglieder an die Seite gestellt und um diese Personen herum einen spannenden Plot entworfen.Auch die Geschehnisse um die Stadt Köln jener Zeit sind lebhaft und gut vorstellbar geschildert. Zu Beginn hatte ich etwas Probleme in die Geschichte hineinzufinden, aber schon bald konnte mich die Spannung gefangen nehmen. Dies hält dann bis zum Buchende an. Es gibt zahlreiche Rückschläge und das Interesse des Lesers, wie es nun weitergeht, wird immer wieder aufs Neue angefacht. Fiktive und reale Charaktere Man braucht etwas Zeit Nicolaus von Verdun und seine Gedanken zu verstehen. Aber mit zunehmendem Fortgang des Romans, gelingt es dem Leser immer besser eine Bindung zu diesem Protagonisten aufzubauen.Auch Magister Ägidius, Berater der jeweiligen Erzbischöfe, Jilles genannt, begleitet uns durch das ganze Buch und kann einiges an Sympathien beim Leser hervorrufen.Bei Nicolaus Sohn Louis hingegen, der rein fiktiv ist, bleibt die anfängliche Abneigung bestehen. Man kann seine Gedankengänge und Handlungen nicht verstehen und sein Schicksal lässt den Leser unberührt.Sabine Weiss hat die lange Erbauungsgeschichte sehr nah an wahre Begebenheiten gebunden. So erfährt man neben vielen Details über die Arbeit der Goldschmiede auch einiges über die Geschichte jener Zeit. Die bringt es mit sich, dass wir gleich mehreren Herrschern des heiligen römischen Reiches begegnen. Inhalt und Optik beindrucken Die Erzählung startet mit dem Prolog im Jahr 1162. Zwischen den Kapiteln kommt es ab und an zu größeren Zeitsprüngen. Der eigentliche Roman endet im Jahr 1225. Abgerundet wird das Geschehen noch mit einem Epilog aus 1248. Der beschriebene Zeitrahmen ist gespickt mit vielen Ereignissen und fordert den Leser. Hilfreich dabei sind ein Personenregister am Anfang und ein kleines Glossar am Ende. Das Nachwort der Autorin, inwieweit sie sich auf historische Tatsachen berufen hat, ist eine schätzenswerte Ergänzung.Doch dieser Roman besticht nicht nur mit seinem Inhalt. Auch optisch ist das gebundene Buch mit Lesebändchen und edlem Bucheinband mit viel Gold ein wahrer Augenschmaus. Fazit: Ein lesenswerter historischer Roman, der den Leser und seine Aufmerksamkeit aber etwas fordert. Mich hat der Roman sehr beeindruckt und zurück bleibt bei mir der Entschluss, bald einmal nach Köln zu reisen und diesen opulenten Schrein selbst in Augenschein zu nehmen. Bis dahin werde ich selbst noch Nachrecherchieren, denn meine Neugier ist nach diesem Roman vollends geweckt.