Einen neuen Eschbach muss ich natürlich lesen und auch in "Ins fahle Herz des Sommers" steckt wieder ein interessantes Gedankenexperiment: eine durch den Klimawandel weitgehend unbewohnbar gewordene Welt, die Menschen fliehen in den Norden und müssen sich mit einer völlig veränderten Realität arrangieren. Das ist nicht nur eine spannende Dystopie, sondern auch gar nicht so weit von einer möglichen Zukunft entfernt. Genau deshalb fand ich den Ansatz gut. Eschbach schafft es weiterhin, mit einer Idee sofort mein Interesse zu wecken. Nur habe ich beim Lesen irgendwann wieder gedacht: "Ja ... und jetzt?"
Das Buch ist schnell gelesen, die Geschichte funktioniert und ich hatte durchaus Spaß daran. Aber gerade bei Eschbach erwarte ich mehr. Früher hatte ich bei seinen Büchern häufig dieses Gefühl, dass mich ein Gedankenspiel noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Hier blieb bei mir eher der Eindruck zurück, dass eine interessante Idee angerissen, aber nicht wirklich ausgeschöpft wurde.
Und das ist inzwischen ein Muster, das ich bei seinen neueren Büchern häufiger bemerke. Ob die Abschaffung des Todes, der schlauste Mann der Welt oder jetzt diese dystopische Zukunft: Die Ausgangsideen sind großartig. Aber die Umsetzung beeindruckt mich zunehmend weniger. Dabei ist das eigentlich ein ziemlich ungewöhnliches Problem. Eschbach gehen nicht die guten Ideen aus, sondern mir fehlt langsam die Wucht, mit der er sie früher umgesetzt hat.
Vielleicht ist das nach so vielen Büchern auch einfach schwierig. Irgendwann muss es schwer werden, sich selbst noch zu übertreffen. Trotzdem ertappe ich mich beim Lesen inzwischen öfter bei dem Gedanken: "Mensch, Andreas. Du kannst das doch besser."
Die Kürze des Buches hat mich diesmal etwas gestört. Nicht, weil ein Buch für mich grundsätzlich lang sein muss, sondern weil ich gerade bei dieser Ausgangslage gern noch viel mehr daraus gelesen hätte. Die Welt und ihre Konsequenzen hätten genug Stoff für eine deutlich umfangreichere Geschichte geboten. Und bei dem Preis für ein gedrucktes Buch fühlt sich eine solche Länge dann zusätzlich etwas unbefriedigend an.
Trotzdem möchte ich das Buch nicht schlechtreden. Eschbach kann nach wie vor schreiben, seine Ideen sind weiterhin interessant und gerade das Klimaszenario fand ich als Gedankenexperiment gelungen. Nur reicht mir das bei Eschbach einfach nicht.
Er hat immer noch gute Ideen. Ich möchte nur endlich mal wieder erleben, dass eine davon genauso beeindruckend umgesetzt wird wie früher.