
Steffi ist 46 und lebt im Erzgebirge. Eine, die auffällt, obwohl sie das nie wollte - groß, mit breiten Schultern und kräftigen Händen. Sachbearbeiterin in der Führerscheinstelle ist sie gern, doch zu Hause herrscht ständige Anspannung. Dass ihr Mann laut wird, zuschlägt, das wissen viele und sagen trotzdem nichts. Ihn zu verlassen wäre nicht nur ein persönlicher Entschluss, sondern ein sozialer Bruch. Die Folge: Scham, Misstrauen und Ausgrenzung. Steffi weiß das.
Lena, 32, lebt in Leipzig und arbeitet als Pressereferentin für ein Gewerkschaftsbüro. Sie bereitet Vorträge über Gleichstellung vor und kennt die Mechanismen von Macht und Kontrolle, zumindest in der Theorie. Und hört trotzdem nicht auf die Warnungen ihrer Freundinnen. Lange redet sie sich ein, dass das Liebe ist. Dass Nähe eben auch kompliziert sein darf. Sie bleibt. Nicht aus Unwissen, sondern aus Hoffnung. Weil sie glaubt, dass man nicht aufgibt, wenn es schwierig wird.
Mit großer Klarheit und Eindringlichkeit erzählt Jessica Ramczik von zwei Frauen und unserer Gesellschaft, die Gewalt gegen Frauen ermöglicht, deckt, duldet: Weil das so ist.
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