In der Bibliothek der magischen Katze hat für mich ziemlich genau das getroffen, was ich an Healing Fiction mag. Menschen, die an einem Punkt angekommen sind, an dem sie ihr bisheriges Leben nicht einfach weiterführen können, bekommen hier die Möglichkeit, ihre eigene Geschichte noch einmal anzusehen. Nicht, um alles ungeschehen zu machen, sondern um vielleicht anders darauf blicken zu können.
Bei Chisa hatte ich irgendwann den Eindruck, dass ihre Geschichte auf eine sehr bekannte Weise gelöst werden könnte. Statt dass ein anderer Mensch ihrem Leben plötzlich eine neue Richtung gibt, sind es die Geschichten der Menschen, denen sie in der Bibliothek begegnet, die etwas in ihr in Bewegung bringen. Dadurch beginnt sie, ihre eigene Vergangenheit und besonders ihre familiären Verletzungen mit anderen Augen zu betrachten.
Sehr gefallen hat mir auch, wie die einzelnen Lebensgeschichten miteinander verbunden sind. Während des Lesens habe ich immer wieder Zusammenhänge entdeckt und irgendwann verstanden, weshalb mir ausgerechnet diese Geschichte erzählt wurde. Dadurch bekam auch die Bibliothek für mich immer mehr Bedeutung.
Trotz der schweren Themen liest sich der Roman angenehm sanft. Verlust, Enttäuschung und familiäre Verletzungen werden nicht einfach aufgelöst, sondern bleiben Teil der jeweiligen Lebensgeschichte.
Ich habe das Buch mit einem angenehmen Gefühl beendet. Die Geschichte tut nicht so, als ließe sich alles wieder in Ordnung bringen. Sie erinnert vielmehr daran, dass ein Leben auch nach sehr schlechten Kapiteln weitergeschrieben werden kann.
Und eine schwarze Katze, die über eine geheimnisvolle Bibliothek wacht, ist ohnehin eine ziemlich gute Gesellschaft für eine solche Geschichte.