Mit Wie ein Fluss in der Nacht, erschienen 2026 im Fischer Verlag, zeigt sich Tana French einmal mehr als Meisterin der Slowburn-Suspense.
Zum dritten Mal dürfen wir uns wieder in Ardnakelty einfinden und hier zeigt sich direkt eine Qualität von Tana French, denn jedes Mal wieder ist es wie Heimkommen, heim in ein ungeliebtes Zuhause, in dem einem aber jeder Stein und jeder Mensch so vertraut erscheint. Wir fiebern erneut mit Cal und Lena und Trey und dieses Mal ist der Fall, in den sie verstrickt sind, besonders verzwickt und interessanterweise kommt es zu einem überraschenden Rollentausch während der Ex-Cop Cal vor allem versucht, immer weiter im Dorf anzukommen und die Ruhe zu bewahren, ist es vor allem seine Freundin Lena, die die Handlung vorantreibt und investigativ tätig wird und Trey fungiert als freies Radikal, das ungebremst immer wieder ausschert und ihre eigenen Wege geht. So entsteht eine komplett neue Dynamik in dieser Wahlfamilie und diesmal sind sie alle gefährdet, je weiter der Roman voranschreitet.
Was ist passiert? Rachel Holohan kommt in einer Nacht im Fluss ums Leben. War es Selbstmord? Oder doch Mord? Am Abend ihres Todes war sie noch bei Lena unter einem ganz offenkundigen Vorwand, doch was sie wirklich von Lena wollte, kann diese nicht ergründen. Cal streckt seine Fühler aus und gerät dabei an den Falschen: Tommy Moynihan ist so verdächtig wie skrupellos und schnell steht für Cal alles auf dem Spiel, was er sich in den letzten Jahren so mühevoll aufgebaut hat.
French schreibt einfach stark, die Atmosphäre ist dicht und das Wetter spürbar, der Spannungsbogen ist ein untergründiger, der deshalb umso mehr an die Nerven geht, ihre große Begabung ist es, Menschen in wenigen Sätzen so treffend zu beschreiben, dass man sie direkt vor sich sieht. Und auch wenn schnell klar zu sein scheint, wer hier der Täter ist, ist dieser Fall viel komplexer als es den Anschein hat. Wenn etwas nicht schlüssig ist, dann ist es meist gequirlte Scheiße, sagt Cal und das trifft es genau. Die Suche nach der schlüssigen Erklärung treibt Cal immer tiefer in die Verstrickungen des kleines Ortes Ardnakelty hinein und Tana French zieht uns dabei mit in den Sumpf. Ein packender, schriftstellerisch großartiger Roman!