Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte von Bokyeong Sunim ist ein ganz besonderes Buch. Es steckt voller kleiner Weisheiten, die zum Nachdenken und Innehalten einladen.
Die Geschichte nimmt uns mit in den Alltag des Mönchs Bokyeong, der zurückgezogen in einem ruhigen buddhistischen Bergkloster lebt. Viele Jahre hat er im hektischen Seoul verbracht, bevor er sich für das beschauliche Leben im Kloster entschied. Eines eisigen Wintertages steht plötzlich eine Straßenkatze vor seiner Tür. Der braun-weiß getigerte Kater mit dem kupierten Schwanz bleibt und nach und nach schließen die beiden Freundschaft.
Zunächst entsteht eher eine Zweckgemeinschaft, doch mit der Zeit nähern sich Mönch und Kater immer mehr an. Bokyeong beobachtet Nyangi und beginnt, durch ihn vieles mit anderen Augen zu sehen. Aus der Begegnung mit der Katze entwickeln sich Betrachtungen über das Leben von Mensch und Tier, über Geduld und Gelassenheit, das Loslassen, Respekt und das Finden innerer Ruhe. Dabei geht es nicht ausschließlich um buddhistische Weisheiten. Immer wieder finden sich Zitate von Philosophen und anderen Denkern sowie kleine buddhistische Geschichten, die wunderbar zu den Beobachtungen des Mönchs passen. Vieles davon lässt sich auch auf das eigene Leben übertragen.
Ich liebe Katzen und konnte deshalb sehr gut nachvollziehen, warum Nyangi für den Mönch immer mehr zu einem Lehrmeister wurde. Gerade die besondere Art von Katzen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht einfach unseren Vorstellungen anzupassen, macht die Gedanken im Buch so stimmig. Der Mönch lernt die Eigenheiten seines tierischen Begleiters zu akzeptieren und dadurch letztlich auch einiges über sich selbst.
Die wunderschönen, farbenfrohen Illustrationen von Kwon Yoonjoo, einer koreanischen Grafikdesignerin, bereichern das Buch und erweckt die Geschichte zu Leben.
Am Ende befinden sich außerdem zahlreiche Fotos von Nyangi, sodass man den außergewöhnlichen Kater auch ganz genau kennenlernen kann. Einige der Fotos sind ebenfalls mit kleinen Lebensweisheiten versehen.
Auch äußerlich ist das Buch ein echtes Schmuckstück.
Das farbenfrohe Cover zeigt Nyangi auf dem Dach eines Tempels, während man hinter einem Fenster den Mönch sehen kann. Schon das Cover macht neugierig und passt wunderbar zum Inhalt.
Für mich ist dieses Buch eine kleine Schatzkiste voller Gedanken und Lebensweisheiten. Es ist kein Buch, das man unbedingt von vorne bis hinten in einem Stück lesen muss. Ich kann mir gut vorstellen, es in einem ruhigen Moment oder vor dem Einschlafen einfach irgendwo aufzuschlagen, ein Kapitel zu lesen und anschließend ein wenig darüber zu sinnieren.
Bokyeong Sunim schreibt fließend und hat mich bereits auf den ersten Seiten in seine ruhige Welt mitgenommen.
Fazit
Die Geschichte von Nyangi und dem Mönch ist bezaubernd und gleichzeitig lehrreich. Die wunderschönen Zeichnungen und Bilder runden das Buch perfekt ab.
Ein warmherziges Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft, über Katzen und Menschen und über die kleinen Dinge im Leben, von denen wir manchmal mehr lernen können, als wir denken.
Von mir gibt es 5 Sterne