»In Deutschland kennt man ihn kaum, in der frankophonen Welt wird er verehrt. Cohens Sprache ist dem deutschen Publikum, welches die Kargheit und die Phantasielosigkeit als authentisch verehrt, anscheinend zu opulent und barock. Ahlrich Meyers werkgetreue Übersetzung trifft den fremden Ton Cohens und lädt dazu ein, sich dem Rhythmus der Klage zu überlassen, die statt Nächstenliebe die Einsicht fordert, dass Juden wie Antisemiten Todgeweihte sind. « / Tjark Kunstreich, jungle world
»In seiner kurzen Erzählung gelingt es Cohen, zwei historische Erfahrungen, die Juden im 20. Jahrhundert machen mussten, zu verknüpfen und in einen Kontext zu setzen, und zwar die Affäre, die der Straßenhändler in seiner Hasstirade anführt, und die Schoa. « / Ralf Balke, Jüdische Allgemeine
»In einer eindringlichen, fein nuancierten Erzählung schildert Cohen eine prägende Episode seiner Kindheit: An seinem zehnten Geburtstag wird er 1905 in Marseille von einem Strassenhändler als dreckiger Jude beschimpft und von einer jubelnden Menge verstossen und dies ausgerechnet in Frankreich, das der Junge Albert für seine Kultur und Sprache so liebte. Diese Szene zerstört sein Vertrauen in die Welt und markiert das brutale Ende seiner Kindheit. « / buecherstimmen. ch
»Vor über 50 Jahren erschien Albert Cohens autobiografisch inspirierter Kindheitstext Ô vous, frères humains. Mehr als ein halbes Jahrhundert später liegt nun endlich auch die deutsche Übersetzung dieser als universelle Parabel angelegten und doch hochintimen Erzählung vor. Dass der Sprachzauberer und Pléiade-Autor Cohen (1895-1981) hierzulande selbst in Fachkreisen nach wie vor als großer Unbekannter gilt, ist ebenso bedauerlich wie rätselhaft. Umso erfreulicher also, dass der Politologe und Historiker Ahlrich Meyer jetzt mit seiner Übersetzung diesem beklagenswerten Zustand etwas entgegensetzen kann. « / Melanie Koch-Fröhlich, lit. fr. 2000
»Cohen schildert die tiefe Verzweiflung des Kindes, das er damals war; eine Verzweiflung, die den nunmehr deutlich über siebzigjährigen Autor immer noch nicht verlassen hat. « / Karl-Josef Müller, literaturkritik. de
»Es ist sein Testament: Totenklage, Anklage und Appell zugleich. Mit ihm tritt Cohen den Beweis an, dass die Ohnmacht der Sprache nicht das letzte Wort hat. Indem sein Schreiben unterschiedliche sprachliche Register zieht, erzählt, ironisiert, appelliert, anklagt, reflektiert, vor allem aber: durch all das hindurch erinnert, erweist es seine schwache messianische Kraft . « / Sebastian Tränkle, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Es ist wunderbar, dass Albert Cohens assoziationsreiches, fluides Französisch adäquat ins Deutsche übersetzt worden ist; ohne, dass es je in irgendeiner Zeile pathetisch werden würde. « / Marko Martin, deutschlandfunkkultur. de
»Herzl schrieb den utopischen Roman Altneuland und gab sich als ein mitteleuropäischer Weltbürger am Ende des 19. Jahrhunderts zu erkennen, der gerne geglaubt hätte, in einer aufgeklärten Gesellschaft würde es keinen Antisemitismus mehr geben. Doch Herzl irrte sich leider. Wer das bis heute, 120 Jahre nach seinem Tod, noch nicht begriffen hat, der wurde vom 7. Oktober 2023 und seinen Folgen eines Schlechteren belehrt. In diesem wenig erfreulichen Rahmen haben wir Oh, ihr Menschenbrüder von Albert Cohen zu lesen. Es ist ein ironisches Buch schon der komisch-pathetische Titel weist darauf hin , aber von welcher Art ist diese Ironie, wie haben wir sie zu verstehen? « / Jakob Hessing, Psyche