Alexandra Bahr war jahrzehntelang Teil des KitKat Clubs in Berlin, unter anderem als Managerin tätig. Mittlerweile betritt sie Bühnen als Speakerin. In "Radikal frei" erzählt sie, wie sie vom Land in das aufregende Berliner Nachtleben gestürzt ist, wie sie den KitKat Club entdeckt und sich dort in dieser für sie neuen, offenen Welt sofort zugehörig gefühlt hat. Die Beschreibungen ihrer persönlichen Entdeckungen, des Konzepts des Clubs, Einblicke in die Clubgeschichte und die Philosophie waren interessant zu lesen. Der Schreibstil ist sehr leicht, an einigen Stellen etwas zu sehr gewollt für meinen Geschmack und ließ mich an einigen Stellen auch stolpern, weil Sätze unrund waren oder es kommentierende Einschübe gab. Insgesamt handelt es sich für mein Empfinden weniger um ein Buch über die Clubgeschichte als solche, sondern vielmehr um die Geschichte von Alexandra Bahr, gekoppelt an Einblicke in einige Nächte im Club. So erfahren Leser*innen von aufregenden Begegnungen, sexuellen Abenteuern, eigenen Vorlieben und Vorstellungen, gespickt mit Informationen zur Entwicklung des Clubs, Mitarbeiter*innen, dem Gründer und Künstler*innen, die dort aufgetreten sind. Hedonismus, sexuelle Freiheit und Kreativität sind die Grundpfeiler des Clubs, war für mich die Essenz der Lektüre.Was die persönlichen Überzeugungen und Einschätzungen der Autorin zu vielen Themen angeht, bin ich kritisch und habe andere Ansichten. Gerade in Bezug auf das Geschehen im KitKat hätten mir andere Perspektiven zu Machtmissbrauch, Grenzüberschreitungen im Kontext sexueller Selbstbestimmung gefallen. Das Buch ist keine objektive Analyse und in meinen Augen auch kein Spiegel der Kultur oder unserer Gesellschaft, sondern vor allem ein Buch über Alexandra Bahr, ihre Karriere, ihre Einschätzung und ihr Erleben im Club und da von Alexandra Bahr, gesehen durch ihre Augen und bewertet anhand ihrer Überzeugungen und ihrer Weltanschauung.Ein interessanter Einblick in den KitKat Club, allerdings ein sehr einseitiger.