Ein herrlich feministischer und bitterböser Roman, der riesigen Spaß macht und dabei extrem tiefgründig ist!
Ich gebe zu, dass "Sister Snake" von Amanda Lee Koe, ins Deutsche übersetzt von Zoë Beck, in erster Linie ein Cover-Kauf war - das Buch sieht einfach fantastisch aus, aber auch der Klappentext hat mich extrem angesprochen. Und als ich dann noch gesehen habe, wie begeistert Buchstabenmama von dem Buch war, musste ich es einfach ganz schnell lesen. Und: Ich habe es absolut nicht bereut. Denn "Sister Snake" ist eine moderne Neuerzählung der chinesischen Legende von der weißen Schlange und erzählt von Sehnsucht, Unterdrückung und Befreiung und vor allem von weiblicher Rache. Female Rage (und am Ende auch Revenge) ist ein zentrales Motiv in "Sister Snake", das anhand der Geschichte von zwei Schlangen erzählt wird, die durch einen magischen Lotus zu menschlichen Frauen werden und über Jahrhunderte in der Welt des Patriarchats erfahren müssen, was es bedeutet, unterdrückt, unterschätzt und misshandelt zu werden.Amanda Lee Koe schreibt dabei einerseits in einem bitterbösen und schwarzhumorigen Ton, die Geschichte wird an vielen Stellen aber auch düster und blutig. Natürlich ist das Ganze, wie man anhand des Klappentextes schon vermuten kann, gewürzt mit einer guten Prise Fantasy und gerade das macht die Story von den zwei Schwestern für mich noch faszinierender und bedeutungsvoller. Denn die Bilder, mit denen Amanda Lee Koe in ihrem Roman spielt, sind einfach nur genial und unglaublich stark. Ich habe von Anfang bis Ende gebannt gelesen, wie die Schwestern Emerald und Su sich nach Jahrhunderten der Entfremdung einander annähern und wie die Handlung sich immer mehr zuspitzt und schließlich in einen fulminanten Racheakt gipfelt. "Sister Snake" erzählt eine herrlich feministische Geschichte, die dabei aber so dermaßen unterhält, dass zumindest ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Absolutes Highlight!