Dieses Buch hat mich auf eine ganz besondere Art überrascht. Nämlich indem es eine ganz andere Geschichte erzählt hat, als die, mit der ich gerechnet hatte. Ich dachte dies wäre eine Geschichte über ein Mädchen, das vergewaltigt wird und dann in so einer typischen "Liebe kann alles heilen"-Dynamik landet. Aber weit gefehlt. Denn eine Liebesgeschichte ist das hier nicht. Dass Eden vergewaltigt wird, passiert direkt zu Beginn der Geschichte und es erwischt einen ganz kalt. Eden ist erst 14, es ist der beste Freund ihres Bruders, in den sie verliebt war. Nach der Tat ist Eden eine andere. Und wir sind dabei, wie sie entdeckt, wer sie jetzt ist. Wir erleben, wie sie mit dem Geschehenen lebt und es auf ihre ganz eigene Art verarbeitet. Dabei begleiten wir Eden über mehrere Jahre hinweg, was ich richtig gut fand, denn ihre Entwicklung ist wirklich heftig. Dieses Buch war so interessant, weil es hier keinen Retter gibt. Und Eden beschäftigt sich nicht so offensichtlich mit den Verletzungen, die sie erfahren hat. Aber sie versucht sie unbewusst zu heilen, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen - und wie sie das macht, war wirklich beeindruckend. Ich muss sagen,d ass es mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Denn in meiner Jugend gab es ein paar Mädchen, die sich verhalten haben wie Eden und man neigte dann als junges Mädchen zum Lästern. Das Buch hat mir aber einen anderen Blick aufgezeigt. Natürlich wird nicht jedem dieser Mädchen damals etwas so schlimmes passiert sein wie Eden, aber ich denke inzwischen, dass es immer Gründe gibt, warum jemand sich verhält, wie er es eben tut. Und dass ein Buch einen zu solch einem Perspektivwechsel bringt, hatte ich bisher noch nicht so oft, weswegen dieses Buch für mich auf jeden Fall ein kleiner Schatz ist.