Manche Bücher kommen nicht mit Pauken und Trompeten um die Ecke, sondern setzen sich leise neben einen, bestellen einen Kaffee und sagen irgendwann so einen Satz, der plötzlich sitzt. Letzter Akt ist genau so ein Roman. Ruhig, fein, ein bisschen melancholisch und trotzdem mit einer Wucht, die man erst merkt, wenn man schon längst mitten drinsteckt.
Dora hat eigentlich alles, was nach Erfolg aussieht. Filmkarriere, Bühne, Applaus, dieses ganze glänzende Zeug. Aber unter der Oberfläche knirscht es ordentlich. Ihre Mutter nervt am Telefon, die Agentin will mehr aus ihr machen, der Kollege überschreitet Grenzen und Dora selbst wirkt manchmal, als würde sie ihr eigenes Leben nur noch spielen. Ganz ehrlich, das hat mich mehr gepackt, als ich erwartet hätte.
Dann taucht Victor auf, dieser Maler, der sie nicht sofort als berühmte Schauspielerin einsortiert. Herrlich irritierend. Für Dora ist das fast wie Urlaub von sich selbst. Doch als er sie malt, wird aus Kunst plötzlich kein hübscher Spiegel, sondern eher ein Vorschlaghammer mit Rahmen. Da dachte ich nur: Na super, einmal kurz entspannen wollen und zack, Trauma mit Tiefgang.
Andreas Schäfer schreibt das nicht laut, nicht dramatisch auf Knopfdruck, sondern sehr feinfühlig. Man muss sich auf das Tempo einlassen, sonst wartet man vielleicht auf den großen Knall und übersieht die kleinen Risse. Genau da liegt aber die Stärke des Romans.
Letzter Akt ist ein stilles, kluges und emotionales Buch über Kunst, Erinnerung und die Frage, wie lange man vor sich selbst weglaufen kann. Kein schneller Snack, eher ein gutes Glas Rotwein mit Nachhall.