Das Buch ist wie nach Hause kommen...
In ,,Kreuzweg der Raben`` folgen wir Geralts ersten Erfahrungen als frisch gebackener Hexer.Mit seinen knappen 18 Jahren mangelt es ihm noch an Erfahrung, er leistet er sich den ein oder anderen Patzer im Umgang mit Menschen und Monstern. In einer so ausgearbeiteten Welt ist es schwierig, Charaktere in Prequels glaubhaft darzustellen. Doch das ist Sapkowski gelungen.Geralt wurde zwar umfangreich in Kaer Morhen ausgebildet, doch die ersten Hexeraufträge laufen ohne "Eleganz und Grazie" ab. Bei einem gewissen Kampf gewinnt sogar das Entsetzen die Überhand, sein Zeichen gelingt nicht.Steel for humans, silver for monsters:Trotz einiger spannender Aufeinandertreffen mit der slawisch inspirierten Monsterwelt stellen die wahre Gefahr - wie so oft im The Witcher-Universum - die Menschen dar. Und so verläuft Geralts erstes Jahr in Selbstständigkeit ganz anders als geplant...Ich fand es erfrischend, vom jungen Geralt und seinen Träumen in die Welt hinauszuziehen und eines Tages das Meer zu sehen zu lesen. Das steht für mich stark im Kontrast zum älteren, abgeklärten Geralt, dessen Wünsche und Träume (abgesehen von Yenneffer) selten so stark nach außen treten. Mit seiner wortkargen Art und seinem starken Gerechtigkeitssinn fühlt er sich jedoch gleichsam vertraut und glaubwürdig an.Ein heimeliges Gefühl bereitete es mir, in den Tempel von Melitele zu Mutter Nenneke zurückzukehren. Wir werden als Leser außerdem mit einigen Einblicken in Kaer Morhens Geschichte und die der Hexererschaffung belohnt. Ded Weiteren wird angedeutet, wie es dazu kam, dass Geralt den Titel ,,von Riva`` annimmt.Noch ein Gedankengang zum Thema Feminismus und Frauenbild: In moderner Fantasy erleben wir oft soziale Gefüge und Werte, die mit unserer heutigen Zeit übereinstimmen. Besonders in der Romantasy treten heldenhafte junge Protagonistinnen auf, die ihren Feinden zeigen wo es lang geht - mitunter in Welten, in denen volle Gleichberechtigung herrscht. Ich kann mir vorstellen, dass einige die Portraitierung mancher Frauen bzw. das Frauenbild in der Witcher-Saga im Allgemeinen kritisch sehen, da dem in dieser Welt nicht so ist. Ich für meinen Teil sehe es so, dass Frauen und Hexer hier gleichermaßen objektifiziert werden; sie werden entrechtet behandelt, mal als Objekt der Begierde betrachtet; mal als jemand, der keine anständige Behandlung verdient. In anderen Bänden der Franchise spielt zudem beispielsweise das Vorurteil, dass Hexer keine Gefühle hätten eine wichtige Rolle. Für mich wirkt die mittelalterlich inspirierte Fantasy-Welt durch diese Schilderungen umso glaubwürdiger. Grundsätzlich niederträchtige, vorurteilsbehaftete menschliche Charaktereigenschaften, die auch in der Realität durch alle Zeiten existieren, kommen durch diese Unmenschlichkeit zu Tage. Sapkowski wählt einen anderen Weg, um unsere moderne mit seiner Welt zu verbibden. Im Tempel von Melitele werden Hexer und Frauen gleichermaßen versorgt. Letzteren wird bei ungewollten Schwangerschaften Abhilfe verschafft, die Priesterinnen sorgen für alle Frauen in Not und stehen Geralt und anderen Hexern zur Seite. Die lokale Bevölkerung begehrt dagegen auf. Auch eine patente Zauberin setzt sich für Gerechtigkeit ein, behandelt Geralt auf Augenhöhe, ohne die übliche Feindseligkeit ihresgleichen. Ich finde, durch diese abgeklärten und progressiven Charaktere, werden heutige Themen und Werte gut in diese mittelalterliche Welt übertragen. Die Konfliktthemen, die sich durch alle Zeiten ziehen kommen vor, aber wir haben auch Identifikationsfiguren, die sich auf die Seite des Mitgefühls, der Fürsorge, des Fortschritts und Menschlichkeit stellen. Somit steht für mich das Mögen der Hexer-Werke und das moderne Frauenbild nicht im Widerspruch miteinander. :)Ich bin großer Fan der Bücher und der Spiele und hoffe, dass wir noch in den Genuss weiterer neuer Geschichten von Geralt & Co kommen werden.