
Der erste Fall für Lou & König: Ein Nachkriegskrimi, historisch präzise, bewegend und extrem spannend!
Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit.
Für alle Gereon-Rath-Fans!
Besprechung vom 02.02.2026
Der neue Marlowe
Krimis in Kürze: Raymond Chandler, Lisa Gray, Anne Stern
Der Weg war lang von "Betrogen und gesühnt" (so der deutsche Titel von "Farewell, My Lovely" im Jahr 1958) zu "Lebwohl, mein Liebling" im Jahr 1976. Und er zeigt vor allem, dass deutschsprachige Verlage oft nicht allzu viel anzufangen wussten mit dem Werk von Raymond Chandler. Die Übersetzungen der Siebzigerjahre im Diogenes Verlag waren zwar gut gemeint, bestätigten jedoch in vielen Fällen nur das Bonmot von Gottfried Benn, das Gegenteil von gut sei gut gemeint. Wer wissen wollte, wie Chandler klingt, musste sich nach wie vor das Original verschaffen. Verhindern ließ sich allerdings nicht, dass diese Übersetzungen das Bild vom schnoddrigen Autor, der in Serie produzierte, was damals "flotte Sprüche" hieß, nachhaltig prägten.
Wenn nun weitere fünfzig Jahre später eine Neuübersetzung des Romans von 1940 erscheint, ist nicht nur die Frage, wie sich das Buch gehalten hat, sondern auch, wie es um die Übersetzung steht. Der Diogenes Verlag hat selbst die Notwendigkeit erkannt und schon vor ein paar Jahren mit durchweg überzeugenden Neuübersetzungen der Marlowe-Romane begonnen. Die zu "Lebwohl, mein Liebling" (Diogenes, 368 S., geb., 26,- Euro) stammt von der erfahrenen Melanie Walz, die aus dem Umgang mit Autoren wie Dickens, Dumas oder Highsmith sehr genau weiß, wie eine Übersetzung ausfallen muss, die zeitgemäß wirkt. Die auf einem schmalen Grat die Balance hält. Ohne aufdringlichen, rasant veraltenden Gegenwartsjargon, zugleich mit leichten Spuren jener Welt, aus der diese Prosa kommt. Weil auch das eine Voraussetzung ist, einen Autor in Würde altern zu lassen.
Natürlich wäre wie bei jeder Übersetzung auch hier über Details zu streiten, aber man kann eine beliebige Seite aufschlagen und sieht den Fortschritt hin zu heutiger Lesbarkeit. Das ist meist weniger eine Frage des Geschmacks als der Präzision. Und ein Grund, warum die Geschichte von Gangstern und Cops, von einem Therapieguru, von der rothaarigen Nachtclubsängerin Velma Valento und dem Riesen Moose Malloy, in die der so harte wie sensible Marlowe verwickelt wird, viel besser gealtert ist, als man erwartet hatte.
Um zu behaupten, dass in fünfzig Jahren keine Neuübersetzung von Lisa Grays "The Final Act" (HarperCollins, 286 S., br., 17,- Euro) erscheinen wird, sind keine prophetischen Gaben erforderlich. Die vorliegende Übersetzung erscheint an einigen Stellen zwar leicht reparaturbedürftig, aber das ist kaum der Grund, warum man das Buch nicht ein zweites Mal lesen würde. Es ist nicht mehr als ein solide konstruierter Thriller, zügig lesbare, anständige Spannungskonfektion.
Eine Kellnerin um die vierzig ist verschwunden. Zwanzig Jahre zuvor war sie eine junge Schauspielerin, die im Horrorgenre debütierte und hoffte, sich zum "final girl", zur letzten Überlebenden, hochzuarbeiten. Gray wechselt zwischen den Zeiten und Perspektiven, ihre Ermittlerin ist smart und hartnäckig, doch das Buch ist viel zu sehr auf den finalen Plot-Twist fixiert, um mehr als ein paar Stereotype über Hollywoods gnadenlosen Umgang mit jungen Frauen sichtbar zu machen.
Die Konjunktur historischer Kriminalromane, die ihre oft recht schlichten Geschichten in der späten Weimarer Republik, im Nationalsozialismus oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit platzieren, ist ganz offensichtlich noch nicht vorbei. Man erwartet da nicht viel - und wird dann doch mal überrascht. "Die weiße Nacht" (Piper, 400 S., geb., 25,- Euro) von Anne Stern ist nicht der große Wurf, aber das Buch hat, trotz mancher Ausrutscher ins Kitschige, eine eigene Sprache und geglückte Bilder.
Es spielt im Berlin des harten Winters 1946, rund um den Kreuzberger Chamissoplatz. Eine junge Fotografin, die im Widerstand war, und ein Kommissar, der gesessen hat, sind die Protagonisten. Stern lässt beiden klugerweise ihre Geheimnisse. Es gibt eine tote Frau im Schnee. Dann zwei weitere Todesfälle. "Ruinenmorde", dichtet der "Tagesspiegel". Der Roman ist sorgfältig konstruiert, gut recherchiert und aus mehreren Perspektiven erzählt. Wenn die Morde aufgeklärt sind, bleibt ein großer Cliffhanger. Neugierig genug, um in den vermutlich bald folgenden zweiten Band zu schauen, hat dieser "Fall für Lou & König" einen gemacht. PETER KÖRTE
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