Vielen Dank an Vorablesen und den EMF Verlag für ein Rezensionsexemplar im Gegenzug für eine ehrliche Rezension.
Annica Hansen ist kein unbekannter Name auf der deutschen Seite vom pferdigen Social Media. Auch die Begriffe Wölbchen und Ponyhausen sind mir schon mehrfach untergekommen. Aktiv verfolgt habe ich Annica allerdings nie. Darum hat es mich überrascht, wie gut mir dieses Buch gefallen hat.
Der Titel Zurück zur Freude ist wirklich sehr passend gewählt. Annica beschreibt sehr emotional, wie sie sich als junge Frau ihren Kindheitstraum erfüllt hat. Schicke Pferde, Erfolg im Turniersport, Glanz und Glamour. Und dennoch hat etwas gefehlt.
Dieses Gefühl kann ich sehr gut nachvollziehen. Als kleines Mädchen liest man Pferdebücher, in denen es immer um die unsichtbare Verbindung zwischen Pferd und Reiter geht. Und dann kommt man im Reitunterricht in der Realität an. Ich hatte das Glück, in ziemlich pferdefreundlichen Reitschulen zu lernen. Und trotzdem hieß es da dann mal Beine dran, Gerte drauf und ähnliches. Das ist schon sehr ernüchternd. Aber man gewöhnt sich daran, so ist das Leben. Vielleicht funktioniert es auch mal. Aber es bleibt der Stress, der Druck, die Erwartungshaltung.
Bin ich Angstreiter? Ich weiß es nicht. Manchmal denke ich ja, dann wieder nein.
Seit ich ein Kind bin, hatte ich jedenfalls mehrfach Momente, in denen es mir genau wie Annica ging. Wo bleibt die Freude? Jeder hat mal einen schlechten Tag. Aber wenn sich die schlechten Tage häufen, man irgendwann gar nicht mehr an den Stall will dann ist etwas sehr falsch. Und das Problem waren nie die Pferde selbst. Die habe ich immer und werde ich auch weiterhin immer lieben.
Gegenüber Annica hatte ich Glück. Ich hatte nie ein eigenes Pferd im Stall stehen, ich konnte dem Reitsport zeitweise den Rücken zukehren und mich daran erinnern, was eigentlich an diesem Hobby so großartig ist. Ich stand nie im Auge der Öffentlichkeit. Auch ich habe viele Fehler gemacht, Fehler, für die ich mich teilweise wirklich schäme. Aber insgesamt hatte ich viele Möglichkeiten, mich auszuprobieren und dazuzulernen, ohne einem Pferd aktiv dabei zu schaden.
Annicas Weg zurück zur Freude ist geprägt von Fehlern, Zweifeln und sehr viel Selbstreflektion und das muss ich ihr echt hoch anrechnen. Sie hat wirklich ihr komplettes Leben umgekrempelt. Sie hat sich vor die Öffentlichkeit gestellt und ihre Fehler eingestanden, hat ein komplett neues Leben aufgebaut.
Ich wünsche keinem Reiter, diese Erkenntnis zu erlangen, was man seinen Pferden angetan hat. Es ist ein mieses Gefühl, das auch nicht schnell aufhört. Aber ich wünsche es jedem Pferd, dass sämtliche Reiter einen solchen Geistesblitz haben. Der Reitsport muss sich ändern und Annica setzt sich wirklich toll für diese Änderungen ein. Leider ist insgesamt noch ein weiter Weg vor uns. Aber vielleicht liest der ein oder andere dieses Buch und merkt, dass es auch anders sein kann.