Astrid Lindgren, Anna Swedenborg und Antoine de Saint-Exupéry drei Autoren, deren Bücher auf ihre ganz eigene Weise etwas in mir berühren. Was sie für mich verbindet, ist die Fähigkeit, mit Worten eine eigene Welt entstehen zu lassen. Bei Astrid Lindgren reicht manchmal ein einziger Satz und schon steht man mitten im Wald.
Genau das liebe ich an Ronja Räubertochter.
Schon die ersten Zeilen entführen mich in eine Welt, in der ein Gewitter über den Bergen rollt, Räuber durch den Wald ziehen und Graugnomen und Wilddruden zum Leben gehören. Astrid Lindgren schreibt so bildhaft und lebendig, dass man sich dem Mattiswald kaum entziehen kann.
Doch Ronja Räubertochter ist so viel mehr als ein Abenteuerroman für Kinder.
Ronja wächst als Tochter des Räuberhauptmanns Mattis mitten im Wald auf. Sie lernt, sich in der Natur zurechtzufinden, Gefahren einzuschätzen und ihren eigenen Weg zu gehen. Als sie Birk begegnet, dem Sohn des verfeindeten Räuberhauptmanns Borka, entsteht eine Freundschaft, die eigentlich gar nicht entstehen dürfte.
Denn ihre Eltern wollen bestimmen, wem Ronja und Birk vertrauen dürfen.
Doch Ronja lässt sich nicht vorschreiben, was sie fühlen und wen sie lieben darf. Sie denkt selbst, stellt Fragen und ist bereit, für ihre Überzeugungen einzustehen.
Und genau darin liegt für mich die zeitlose Kraft dieser Geschichte.
Astrid Lindgren schreibt über Freiheit, Freundschaft, Mut und Selbstbestimmung, ohne daraus eine schwere Botschaft zu machen. Sie lässt ihre Leserinnen und Leser selbst entdecken, was zwischen den Zeilen steckt.
Besonders schön finde ich, wie selbstverständlich die Natur Teil der Geschichte ist. Der Wald ist nicht bloß Schauplatz, sondern fast selbst eine Figur. Wild, geheimnisvoll, manchmal gefährlich und gleichzeitig voller Schönheit. Ronja lernt, sich in dieser Welt zu behaupten und findet dabei immer mehr zu sich selbst.
Und dann ist da diese Sprache. Diese Mischung aus Kraft, Wärme, Humor und Poesie. Eine Sprache, die Kinder unmittelbar erreicht und Erwachsenen Jahre später plötzlich ganz andere Türen öffnet.
Vielleicht ist das genau das, was Ronja Räubertochter mit Büchern wie Der kleine Prinz verbindet: Man kann sie als Kind lesen und einfach eine wunderbare Geschichte erleben. Und wenn man sie später wieder zur Hand nimmt, entdeckt man darin plötzlich Gedanken über das Leben, über Freiheit, Freundschaft, Liebe und darüber, wer man selbst sein möchte.
Manche Bücher werden nicht älter. Wir werden älter und lesen sie dadurch immer wieder mit neuen Augen.
Für mich ist Ronja Räubertochter genau so ein Buch. Ein zeitloser Klassiker, der nach Wald, Freiheit und Abenteuer klingt und gleichzeitig eine Geschichte über das Leben erzählt.