Dieses Buch ist wie ein guter Tee, der etwas Zeit braucht, um seine würzigen Noten zu entfalten.
Dieses Buch ist für mich ein ganz eigener, wunderbarer Read für den Herbst gewesen. Denn hier bekommen wir durch ein altes Anwesen, das vom Meer verschluckt zu werden droht, Stürme und brechende Wellen an Klippen geboten, die mich an Herbststürme denken ließen.Doch auch anders kommt man hier auf seine Kosten: Effy, eine junge Architekturstudentin, ergreift die Chance, neue Blaupausen für das Herrenhaus ihres absoluten Lieblingsautors zu entwickeln. Eine Aufgabe, die sie einerseits gern, andererseits aber auch mit weinendem Herzen verfolgt: Schließlich hätte Effy viel lieber Literatur studiert und anders als viele andere auch alle Qualifikationen dafür mitgebracht. Doch als Frau ist ihr dieser Studiengang versagt. Kein Wunder also, dass sie Preston Héloury, den Literaturstudenten, der nach dem Tod des Autors zu dessen Leben forscht, überhaupt nicht ausstehen kann. Noch dazu, weil er nachzuweisen versucht, dass das beliebteste Werk und Effys Lieblingsbuch des Textschaffenden gar nicht aus seiner Feder stammt.Doch Effy hat noch ein ganz anderes Problem: Sie kann nicht schlafen und fühlt sich verfolgt von einer Gestalt, an die alle im Süden des Landes glauben, von dessen Existenz aber weithin ausgegangen wird, dass sie Effys Wahn entspringt - dem Elfenkönig.Die Geschichte hatte so viel, was mir wirklich gefallen hat: Folklore, akademische Rivalität, Atmosphäre und eine sich langsam anbahnende Nähe, die nicht aufdringlich wirkt. Wir setzen uns mit Effys Ängsten auseinander, kriegen auch mit, wie Akademiker:innen in Machtpositionen genau diese ausnutzen und wie schwer es sein kann, eigene Träume zu verfolgen.Und trotzdem glaube ich, die Geschichte ist nicht für jede:n was. Sie ist gewissermaßen speziell und wie ein guter Tee, der seine Zeit braucht, um zu ziehen und alle würzigen Noten in Ruhe zu entfalten.