Die drei Bände der Totenfrau-Trilogie habe ich vor zehn Jahren verschlungen. In Erinnerung geblieben ist mir auch ein Abend beim WDR, als der österreichische Erfolgsautor den dritten Band der Reihe, TOTENRAUSCH, beim 1LIVE Klubbing vorstellte. Umso erstaunter war ich, dass nun ein vierter Band erschienen ist. Mir war sofort klar, dass ich auch das neue Buch lesen muss. Vorab verraten: Ich wurde nicht enttäuscht!
Im Mittelpunkt der Serie steht die Bestatterin Brünhilde Blum, die seit dem letzten Band scheinbar unerkannt und unbehelligt mit ihrem eng verbundenen Partner Reza unter falschem Namen in Kroatien lebt. Blum, die aufgrund schrecklicher Ereignisse zur Serienmörderin wurde, wird nach all den Jahren von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ich empfehle dringend, die vorherigen Bände zu lesen. Nicht, weil man der Story sonst nicht folgen kann im Gegenteil: Aichner lässt geschickt alle notwendigen Informationen einfließen. Aber allen Lesenden, die sich damit zufriedengeben, entgeht sonst ein großartiges und rasantes Thriller-Erlebnis. In Die Rückkehr wird Blum durch eine unheilvolle Begegnung mit den Sünden der Vergangenheit konfrontiert. Zugleich werden wir Zeugen eines Mutter-Tochter-Konfliktes, denn Blums älteste Tochter Nela hat die blutige Historie ihrer Mutter aufgedeckt. Aichner hat in Interviews wiederholt darauf hingewiesen, dass ihn gerade diese besondere Beziehung inspiriert hat. Mehr möchte ich nicht verraten.
Aichners markanter Schreibstil hat mich erneut in den Bann seiner Erzählung gezogen. Die kurzen Kapitel und noch kürzeren Sätze, die manchmal nur aus Gedankenfetzen bestehen, vermitteln ein großartiges Thriller-Gefühl. Oft wird dieser rasante und bildhafte Stil als stakkatohaft beschrieben. Ich würde ihn nicht immer goutieren, hier ist er aber passend. Die Spannung war für mich durchgehend gegeben, gerade auch in den Abschnitten, in denen Blum uns an ihren Gedanken teilhaben lässt. Spannung heißt eben nicht immer Action. Erneut präsentiert uns Aichner eine verletzliche Frau, der man ein bisschen Glück wünscht. Doch steht das einer Serienmörderin zu? Einer Frau, die in ihrer Rache kompromisslos über Leichen geht? Die immer wieder in einen Strudel der Gewalt gerät und daraus weder auftauchen kann noch will? Blum lebt in ihrer eigenen Welt, und diese sollte man keinem Realitätscheck unterziehen. Ein Thriller ist ein Thriller und kein Tatsachenbericht. Und die Hauptprotagonistin bleibt sich erfreulicherweise treu.
Für diesen unerwarteten vierten Band hat Aichner den Verlag gewechselt. Rowohlt Wunderlich ist sicher keine schlechte Wahl. Dieser Traditionsverlag steht für hochwertige Hardcover-Gestaltungen. Das Covermotiv ist sehr gut gewählt, passend zum Inhalt und ästhetisch gelungen. Dennoch vermisse ich den krakeligen Titel der ursprünglichen btb-Ausgaben. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Ich vergebe starke 4,5 von 5 Sternen. Da das Ende jedoch etwas zu vorhersehbar war und das Buch mit einem gnadenlos plumpen Cliffhanger schließt, runde ich in der Gesamtbewertung auf 4 Sterne ab. Das Gute an diesem abrupten Finale ist aber immerhin: Es wird wohl zumindest einen weiteren Band geben!