Konsequente Figurenentwicklung, schmerzhafte Familiengeschichten und aktuelle gesellschaftliche Konflikte in einer immer komplexeren Welt.
Natürlich habe ich mich gefreut, Jace und Clary wiederzusehen. Auch Simons Auftritt hat mich begeistert. Diese Begegnungen schlagen eine schöne Brücke zu den "Chroniken der Unterwelt", ohne Emma, Julian und die Blackthorns aus dem Mittelpunkt ihrer eigenen Geschichte zu verdrängen.Emmas und Julians Entwicklungen werden konsequent weitergeführt. Beide versuchen auf sehr unterschiedliche Weise, mit ihren Gefühlen, ihrer Verantwortung und den Folgen ihrer bisherigen Entscheidungen umzugehen. Dabei beginnen wir allmählich zu verstehen, weshalb die Liebe zwischen Parabatai nicht nur durch ein beliebiges Gesetz verboten ist. Hinter dem Verbot stehen Zusammenhänge, die tief in die magische Ordnung und damit gewissermaßen in die mythologische Biologie der Schattenjäger hineinreichen.Marks Geschichte hat mir einige Tränen abgerungen. Seine Erfahrungen bei der Wilden Jagd und seine schwierige Rückkehr in die Familie lassen sich nicht einfach abschütteln. Er gehört zu zwei Welten und in gewisser Weise zu keiner vollständig. Cassandra Clare zeigt sehr eindringlich, wie sehr diese Zerrissenheit seine Beziehungen und sein Selbstbild prägt.Auch Kit bringt sein eigenes Geheimnis mit. Mehr werde ich darüber nicht verraten - das soll jede Leserin und jeder Leser selbst entdecken.Besonders am Herzen liegt mir Cristina. Sie ist klug, loyal und bemerkenswert mutig. Auch ihr Geheimnis werde ich nicht vorwegnehmen. Ich war jedoch beeindruckt, dass Cassandra Clare sich überhaupt an das damit verbundene Thema heranwagt und ihm innerhalb einer Jugendfantasy Raum gibt.Clare bleibt ihrem Stil treu: Wieder werden Jugendliche mit Ermittlungen, polizeiähnlichen Aufgaben und schließlich sogar Kriegshandlungen betraut. Das ist innerhalb der Schattenjägerwelt längst normalisiert, wirkt aber bei genauerem Hinsehen erschreckend. Daneben behandelt der Roman Rassismus, Homophobie und gesellschaftliche Ausgrenzung. Aktuelle Konflikte unserer Welt werden in eine Fantasygesellschaft übertragen und unter einer Teenagerromanze verborgen.Wer die "Chroniken der Unterwelt" nicht gelesen hat, wird der Haupthandlung zwar vermutlich folgen können, aber viele Zusammenhänge, Wiederbegegnungen und politische Hintergründe nicht vollständig verstehen. Das ist bei einem inzwischen so großen und komplexen Universum kaum zu vermeiden."Die dunklen Mächte" führt nicht nur die Liebesgeschichte fort. Der Roman vertieft die Verletzungen seiner Figuren, erweitert die politischen Konflikte und zeigt, wie eng persönliche Entscheidungen mit den Regeln dieser Gesellschaft verknüpft sind.