Diese Geschichte spielt in Venedig und wird uns bzw. den kindlichen Betrachtern/Zuhörern (ab 6J.)
aus zwei Perspektiven erzählt.
Ein Mädchen und eine Taube sind hier die Ich-Erzählerinnen, die leider beide eine Phobie, den anderen betreffend, haben.Beiden bleibt sozusagen die Luft weg, sie können nicht um Hilfe rufen und weglaufen, auch wegfliegen funktioniert nicht und das ist ein Problem, da es in Venedig sowohl Kinder wie auch reichlich Tauben gibt.
Eines Tages passiert es dann: auf einem einsamen Weg am Kanal sitzt die Taube, die von einem Kind verletzt wurde und noch nicht weiß, ob sie fortfliegen kann und ihr gegenüber steht plötzlich das Mädchen.Beide sind so entsetzt und in ihrer Phobie gefangen s.o., das sie sich nicht von der Stelle rühren können.
Die riesige Angst in den Augen der Anderen aber erkennen sie (ungläubig) beide wieder.
Als dann ein Gondoliere vorbeirudert, der komplett schief singt, bricht er den Bann und Kind wie Taube müssen "lachen".
Schnell laufen sie danach aneinander vorbei...
Am Tag darauf aber treffen sich die beiden wieder am gleichen Ort und diesmal gehen sie wie in einem Tanz ganz langsam, immer wieder mit Verharren, auf einander zu.
Als sie sich gegenüber stehen, kommt plötzlich wieder der Gondoliere vorbei und lädt sie beide, wegen Mangels an Touristen, zu einer kleinen Fahrt ein - sie sehen so gestresst aus in seinen Augen...
Sie fahren mit, die Taube auf dem hohen Bug, das Mädchen auf der Sitzbank und es erzählt der Taube von seiner großen Angst, die dabei langsam immer mehr abnimmt.
Vielleicht werden die beiden ja doch noch Freunde - wer weiß??
Mariachiara Di Giorgio spielt hier illustrationstechnisch ganz wunderbar mit Licht und Schatten. Ihre Aquarellbilder führen in die Gedanken-und Gefühlswelt der beiden Phobie-belasteten Protagonistinnen und zeigen uns gleichzeitig in sanften, rötlichen Farbtönen ein einsameres Venedig abseits der Touristenströme .
Der anfänglich ausführlichere Text Chiara Mezzalamas, der immer abwechselnd die Perspektiven/Ängste von Kind und Tier schildert, wird kurz und knapp,
als sie sich plötzlich auf einer Doppelseite gegenüberstehen.
Auf den folgenden Doppelseiten kommen sich dann ja Bild für Bild Mädchen und Taube näher und stellen sich dabei gleichzeitig ihrer großen Angst -
eine preisgekröntes BilderBuch, das kongenial in Bild und "Ton" Kindern einfühlsam aufzeigt, das Vorurteile und Ängste nicht für immer sein müssen. Schön!