In Villa Rivolta verknüpft Daniel Speck das Leben von Piero Rivolta, dem Sohn des bekannten Industriellen Renzo Rivolta, mit der Geschichte des Mädchens Valeria, deren Mutter als Hausangestellte bei den Rivoltas arbeitet. Valeria und ihre Mutter leben auf dem Anwesen der Rivoltas und Piero und Valeria freunden sich als Kinder an. Für Valeria steht fest, dass Piero ihr Seelenverwandter ist. Für sie gibt es nie wirklich einen anderen Mann als Piero, ihre spätere Beziehung zum Vater ihres Sohnes Tonino entsteht aus einer Laune heraus und ist nicht von Dauer. Piero hingegen fühlt sich als junger Mann zu Lele hingezogen, die aus denselben gesellschaftlichen Kreisen wie er stammt. Eines der Themen dieses Buchs ist daher die Klassenzugehörigkeit, die wohl im Italien der 1950er und 1960er Jahre noch eine große Rolle spielte. Wir erfahren einiges über das Leben der Schönen und Reichen, aber auch über die Arbeiterklasse sowie den beginnenden Klassenkampf, für den sich Toninos Vater Flavio einsetzt.
Das Buch beginnt spannend: der vierzehnjährige Tonino, der mit seiner alleinerziehenden Mutter Valeria in Mailand wohnt, findet in einer Baugrube vor dem Haus eine Pistole. Da er diese mit in die Schule nimmt, gerät er in Schwierigkeiten und hat mit ernsthaften Konsequenzen zu rechnen. Valeria reagiert panisch und flieht mit Tonino zu Piero, der inzwischen längst mit Lele verheiratet ist. Lange ist nicht klar, was es mit der Pistole auf sich hat. Sie dient zunächst lediglich als Aufhänger, denn auf der Fahrt zu Piero erzählt Valeria ihrem Sohn die Geschichte ihres Lebens.
Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Daniel Speck gefreut, doch leider hat er meine Erwartungen nicht erfüllt. Vieles ist unendlich in die Länge gezogen, von den 600 Seiten hätte gut ein Drittel gekürzt werden können. Die Personen blieben für mich blass, ihre Beweggründe konnte ich größtenteils nicht nachvollziehen. Was mich außerdem zunehmend genervt hat, sind die ständigen italienischen Worte und Sätze im Text: er ist ein grande uomo, als ich noch ein ragazzo war, seine selbst gewählte sfortuna usw.
Von allen Büchern, die ich von Daniel Speck gelesen habe, ist dies für mich mit Abstand das schwächste, nicht zuletzt auch deshalb, weil am Ende viele Dinge offenbleiben, zum Beispiel die Frage, warum Valeria ihren Sohn unbedingt von seinem leiblichen Vater fernhalten will. Ich kann Villa Rivolta leider nicht empfehlen.