Paradise Beach ist ein Coming of Age Roman, der die Hitze und Leichtigkeit des Jahrhundertsommers 2003 mit dem Erwachsenwerden der jungen Ada, der ersten Liebe aber auch den ersten körperlichen Schmerzen und Beginn einer chronischen Erkrankung verknüpft. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Da ist einerseits Ada mit 28 Jahren in der Gegenwart, unmittelbar nach ihrer Endometriose-OP in einer lethargischen Zwischenwelt aus Schmerz, Zweifeln, Erinnerung und Selbstfindung. Den weit größeren Raum nimmt jedoch die Erzählebene im Sommer 2003 ein, als Ada gerade 13 ist, und ihre erste Liebe aber auch ihren ersten körperlichen Schmerz mit Beginn ihrer chronischen Endometrioseerkrankung erlebt.
Die Lebenswelt als erwachsene Frau mit Endometriose und der aktuellen medizinischen Behandlung dieser verbindet die Autorin nachvollziehbar mit dem Auftreten der ersten Periode Adas im Jahrhundertsommer 2003 und zeichnet so eine Kontinuität und Kontextualisierung vom Beginn der Erkrankung bis in die Gegenwart. Die Leichtigkeit eines Sommers an der Ostsee mit regelmäßiger Verpflegung im Kiosk Paradise Beach kontrastiert hier mit der Verlorenheit in der Pubertät und dem ersten Auftreten des unglaublichen Schmerzes, für den Ada keine Worte findet und dem auch die Familie, Freunde und Gesellschaft um sie herum keinen Raum geben, keinen Namen. Für Ada kommt dabei viel zusammen, typische Teenagerherausfoderungen, wie Peer Groups, Anerkennung, Selbstfindung, erste Liebe, Abgrenzung und Zugehörigkeit und sich Auszuprobieren. Daneben erfährt sie mit der ersten Periode nicht nur den Schmerz, der sie zusätzlich verunsichert, verängstigt und für sie ein Leben mit einer chronischen Erkrankung bedeuten wird. Die Periode und das Erwachsenwerden, in der Zwischenwelt zwischen Mädchen und Frau versetzt Ada fast plötzlich auch in eine neue Position, in der sie erfahren muss, wie sehr Mädchen- und Frauenkörper in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zum Objekt gemacht werden, als ob die Verfügungsgewalt über ihren Körper nun nicht mehr ihr selbst gehört. Diese beiden Aspekte, die nachvollziehbare Darstellung einer Lebenswelt mit Endometriose und das in einer Gesellschaft, in der Sexismus und körperliche Übergriffigkeit gegenüber Mädchen und Frauen zum guten patriarchalen Ton gehören, sind für mich die stärksten im Roman. Gerade in der Gegenwartsebene war die Story für mich jedoch letztlich nicht ganz stimmig, wirkte stellenweise überkonstruiert. Gleichzeitig fehlte mir auch mit Blick auf die Erkrankung in der Gegenwartsebene Entwicklung und Erklärung. Von der ersten Periode zur OP ist es ein weiter Weg mit der Erkrankung und doch beleuchtet der Roman nur diese beiden Endpunkte. Ich persönlich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie Ada endlich eine Sprache für ihren Schmerz und ihre Erkrankung findet, welche Hürden sie dabei im Gesundheitssystem erlebt und wie sie letztlich zu der Erwachsenen Ada wird, einer jungen Frau mit einer chronischen Erkrankung, die noch immer viel zu wenig Anerkennung erfährt, gesellschaftlich und medizinisch.
Sprachlich ist der Roman für mich nicht ganz rund. Irritierend fand ich die häufigen Erwähnungen von Markennamen von Kleidung. Manche Formulierungen wirken gestelzt, wie der Ball beim Volleyball, der in Empfang genommen statt angenommen wird, andere sind sprachlich nicht korrekt, wie wenn etwa von Lavasand die Rede ist, womit im Roman schlicht heißer Sand gemeint sein soll, der jedoch eben nicht aus vulkanischem Gestein besteht, wie es eben für Lavasand semantisch charakteristisch wäre. Derartige Ungereimtheiten haben mich regelmäßig irritiert und mein Leseerlebnis etwas getrübt.
Insgesamt ist Paradise Beach aufgrund des Themas und einiger starker Momente trotzdem ein wichtiges Buch für mich, jedoch mit leichten Schwächen in der Umsetzung.