Ada kann nicht schlafen, wie so oft. Um 03:14 hört sie ein Klirren über ihrer Etage, gefolgt von einem Schrei. Um 03:17 ruft sie die Polizei. Die Polizistin wirkt freundlich, fragt sie nach dem Grund ihres Anrufs. Sie muss alles dokumentieren und hält Adas Worte auf einem Notizzettel fest. Dann geht sie. Ada schaut aus dem Fenster und sieht die Polizisten mit dem Typen sprechen, der über ihr wohnt. Er steht vor dem Krankenwagen und gestikuliert aufgeregt. Sein linker Arm ist bandagiert. Er trägt schwarze Skinny-Jeans und braune Mokassins. Auf seinem weißen Shirt ist Blut. Ada denkt an Oma Ylvi. Kurz bevor Ylvi stürzt, feiert Ada ihren elften Geburtstag. Ylvi bricht sich den Oberschenkelhals und verliert ein paar Zähne. Adas Mama Mo will Ylvi bei ihnen aufnehmen, aber das will Adas Vater nicht. Also ziehen Mo und Ada zu Ylvi, als sie aus dem Krankenhaus zurückkommt. Vormittags kommt der Pflegedienst, wäscht Ylvi und geht ihr zur Hand. Am Nachmittag kocht Mo und verhindert Stürze. Dazwischen sitzt Ada bei Ylvi und schneidet Grimassen mit ihr. Ihre Cousine Lill wohnt gleich nebenan. Sie ist ein Jahr älter als Ada und viel cooler. Während Ada noch mit Ylvis Baumwollnachthemden durchs Haus tobt, trägt Lill schon enge Jeans und bauchfreie Tops. Zwei Jahre später lernt Ada Elja kennen, die mit ihrer Familie Ferien macht. Es ist die Zeit, in der Ada zum ersten Mal eine Verschiebung in ihrem Körper spürt und danach ist nichts mehr wie vorher.Fazit: Dara Brexendorf, freie Autorin und Literaturvermittlerin, hat in ihrem Debüt das Thema Endometriose verhandelt. Ihre Protagonistin ist Anfang dreißig als eine fähige Gynäkologin Endometriose diagnostiziert. Ada wird operiert und frühzeitig in die Menopause katapultiert. Während ihrer Krankschreibung rekonstruiert sie die Anfänge ihrer Krankheit, wie sie ihr die Leichtigkeit der Jugend nahm und wie sie ihre erste große Liebe verpasste. Sie ist dreizehn, als ihr Zyklus aktiv wird. Vier Wochen später blutet sie sehr stark und hat heftige Krämpfe. Sie glaubt damit klarkommen zu müssen, weil doch alle Frauen irgendwie damit klarkommen. Man spricht schlicht nicht über Monatsblutungen. Die Geschichte zeigt deutlich den spürbaren Leidensdruck. Auch wenn Ada ein feines Gespür für andere entwickelt, kreist sie gedanklich um sich selbst. Die Krankheit hindert sie daran, sich tiefer auf Menschen einzulassen. Dara Brexendorf ist eine überaus gute Erzählerin. Alles ist unaufgeregt und ruhig. Melancholie prägt die Grundstimmung. Sie erzählt konsequent im Präsens auch die Rückblicke, das ist am Anfang etwas verwirrend, stört dann aber nicht weiter. Die Figuren sind fein ausgearbeitet, so dass ich das Gefühl hatte, dabei zu sein. Die Autorin hat ein Tabuthema entstigmatisiert, ein Frauenleiden an die Oberfläche geholt und das scheint mir wichtig. Eine leicht zugängliche Leidensgeschichte ohne großen Druck, verständlich gemacht.