Ob zu Fuß oder vom Wasser aus lässt man den Blick über die Fassaden Venedigs schweifen, sind sie nicht zu übersehen: Runde und rechteckige Reliefs mit Tier- und Pflanzenmotiven, vegetabilen oder geometrischen Ornamenten, mythologischen Szenen und anthropomorphen Figuren. Was können uns diese als "patere" und "formelle" bezeichneten Steine über die Stadt und ihre Bewohner
In ihrer Materialität, ihrem architektonischen Kontext und ihren Bildern zeugen die "patere" und "formelle" von der Begegnung zwischen venezianischen und byzantinischen, islamischen und lateinischen Kulturen im Mittelalter. An den Fassaden der Paläste sind sie als Bestandteil der romanischen Architektur und merkantilen Identität der Lagunenstadt zu verstehen. Schon ihre Herstellung aus Marmor und anderen wiederverwendeten Materialien steht in engem Zusammenhang zu Schifffahrt und maritimem Handel im 11. bis 13. Jahrhundert. Während die Reliefs an den Palästen die Fernhandelskontakte der venezianischen Händlerfamilien im Osten visualisierten, wurden sie umgekehrt in der Moderne zu Sinnbildern von venezianità: Fernab der Lagune evozierten sie als architektonische Fragmente der mittelalterlichen Stadt das Bild Venedigs dort, wo man es im Ausland aus politischen oder privaten Gründen wünschte.
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