Ada wächst zusammen mit ihrem Bruder Broos bei ihrem Vater in einem Trailerpark auf. Die Eltern leben getrennt, die Mutter stirbt früh bei einem tragischen Unfall. Das Weltbild des Vaters ist von einer obsessiven Arbeitsmoral und Verachtung gegenüber der Mutter geprägt. Er glaubt, ihre Erziehungsarbeit "geraderücken" zu müssen. Diese Lektionen in Härte und Ausdauer prägen Ada tief, während ihr Bruder an der harten Erziehung zerbricht und einer Einrichtung landet.
Als wir gingen, rannte uns ein Begleiter nach, er fragte, ob mein Vater bitte noch mal darüber nachdenken könne. Der Junge hat sich auch nicht selbst erschaffen, sagte er.
Und ich sagte nichts, aber es machte mich sauer: Wir haben uns doch alle nicht selbst erschaffen, dachte ich. Wenn wir so anfangen, ist keiner mehr für seinen Lebenslauf verantwortlich, dann ist alles schnurzpiepegal. Man hat sich nicht selbst erschaffen, aber man muss schon sein Leben selbst schaffen. Man muss sich doch wirklich selbst seinen Platz in die Welt hacken.
Heulen ist eine Entscheidung. So, wie alles eine Entscheidung ist. Wenn du etwas tust, hast du selbst beschlossen, es zu tun. Nichts bringt dich zum Heulen. Nein, das machst du immer selbst. Klar, spürte ich manchmal den Drang zu heulen, als sie gerade tot war. Ich weiß, wie sich das anfühlt: irgendwo hinten im Hals, dick und heiß. Es drängt sich über die Wangen und dann die Jochbeine hinauf und drückt gegen die Augen. Wasser, das blind macht. Aber die Tränen laufen lassen ist eine Entscheidung. Du kannst sie festhalten und zurückdrängen: Hat das Wasser deine Augen schon erreicht, ist es vor allem wichtig, nicht zu blinzeln, denn sonst gibt es kein Halten mehr. Halt die Augen auf jeden Fall offen. Beiß auf die Innenseite deiner Wangen. Sag nichts. Die Stimme zu benutzen ist fatal. Nein, halt den Mund. Ball die Hände zu Fäusten und grab die Fingernägel in deine Handinnenflächen. Spann alle Muskeln an, und halt die Augen weiterhin offen. Wenn du durchhältst, sinkt das Wasser. Wenn es sich aus deinen Augen zurückgezogen hat, ist das Schlimmste vorbei. Du schluckst die Tränen hinunter, zurück in deinen Körper, sie gehören dir. Man hat immer eine Wahl.
Ada geht weg vom Trailerpark. Sie beginnt ein Kunststudium, zieht sich jedoch bald davon desillusioniert in eine einsame Hütte im Wald in Galizien zurück. In der rauen Natur beginnt ihre Vergangenheit sie einzuholen.
Dir würde diese wortlose Welt gefallen. Und Pa übrigens auch. Die Sprachwasserfälle anderer haben euch so schnell überwältigt: Autoritätspersonen, Beamte der Schulbehörde, Steuerprüfer, Jugendsozialarbeiter.
Und nie sagten sie, was sie wirklich von dir wollten: dein Geld, deine Zeit, deine Freiheit.
Zähe Hunde von Falun Ellie Koos ist keine leichte Kost, definitiv kein Wohlfühlroman. Die Grundstimmung bleibt von Anfang bis Ende düster und bedrückend, getragen von einer rohen, gewaltigen Sprache. Besonders die Szenen aus der Kindheit tun weh beim Lesen.
Doch genau hier liegt meine Ambivalenz: Sprachlich ist das Werk sehr stark, wirklich schmerzhaft gut. Inhaltlich hat mich dagegen eine gewisse Leere zurückgelassen; ein kleiner Lichtblick hätte dem Ganzen gutgetan. Wegen der großen sprachlichen Qualität bewerte ich mit 4 Sternen.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!