
Die 1876 von Wilhelm Braune als Neudrucke deutscher Literaturwerke des 16. und 17. Jahrhunderts begründete Reihe wird seit 1961 in einer neuen Folge fortgeführt. Je nach Eigenart und Bedeutung der Autoren und Werke finden Gesamtausgaben ebenso Aufnahme wie Auswahlausgaben oder Einzelwerke, für die ihrer Bedeutung und Überlieferung wegen eine kritische Edition erforderlich ist.
_x000D_The series Neudrucke deutscher Literaturwerke des 16. und 17. Jahrhunderts (Reprints of German Literary Works from the Sixteenth and Seventeenth Centuries), founded in 1876 by Wilhelm Braune, has been continued since 1961 in this new series. Depending on the uniqueness and significance of the authors and works, the series publishes complete editions, selected editions, or individual works that require critical editions due to their importance and transmission history.
Friedrich Maximilian Klingers 1798 erschienener Roman »Geschichte eines Teutschen der neusten Zeit« ist ein bedeutendes Zeugnis der Rousseau-Rezeption seines Verfassers und dessen Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution. Entstanden in St. Petersburg, war das Manuskript für die erste autorisierte Ausgabe im Juli 1797 fertiggestellt. Klinger arbeitete seit Anfang der 90er Jahre an einem Zyklus von zehn philosophischen Romanen.
Der »Geschichte eines Teutschen« kommt dabei ein besonderer Rang zu. Er stelle das dar, »was den Pivot alles meines Schreibens ausmacht«. Als in der Spätaufklärung angesiedelter Bildungs- und Zeitroman erzählt die »Geschichte eines Teutschen« die »Biographie eines politischen Reformers« (Hering). Die deutsche Kleinstaaterei des ausgehenden 18. Jahrhunderts wird einer kritischen Gesellschaftsanalyse unterzogen, wobei die Frage nach dem richtigen moralischen Verhalten des Einzelnen im Vordergrund steht. In den Protagonisten Ernst und Ferdinand begegnet die Philosophie Rousseaus jener des Helvétius: Idealistischer Glaube an transzendente Werte und innerweltliche Skepsis, aus der opportunistisch gehandelt wird, stehen sich gegenüber. Der positiv bewertete Ernst will in seinem Tugendglauben den von Ferdinand vertretenen Egoismus als Prinzip des Erfolgs in der politischen Welt nicht gelten lassen. Beide Helden scheitern, der Schluss bleibt offen. Eine genaue Datierung des Geschehens fehlt; die Französische Revolution wird nicht als konkretes historisches Ereignis thematisiert. Gleichwohl geht es um die Wirkung der Vorgänge im Nachbarland auf deutsche Verhältnisse. Reformpläne wirtschaftlicher Natur in Anlehnung an die französischen Physiokraten und revolutionäres Gedankengut der Jakobiner in Bezug auf die Abschaffung von Adelsprivilegien werden rezipiert und diskutiert.
"Die Neuausgabe ist wie die übrigen Bde. der ambitionierten Ausgabe sorgfältig ediert und lässt mit den vollständigen Varianten der spärlichen späteren Auflagen keine Wünsche offen."
Christoph Siegrist in: Germanistik 1-2/2009
"Erfreulich insgesamt, daß nunmehr dieser wichtige Roman Klingers in einer der Forschung so nötigen Neuausgabe zur Verfügung steht, überdies mit einer prägnanten Einleitung. Sie erhellt die Entstehungsgeschichte, darüber hinaus auch biographische Hintergründe des Werks."
Wolfgang Albrecht in: Lessing Yearbook 2008-2009
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