"Weird Girls" erzählt von Maggie, Harley und Róise, die zusammen in einer WG in Belfast leben. Eigentlich gehörte Lydia ebenfalls zu dieser WG - bis sie vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben kam. Sie war die Vernünftige von ihnen, die ihr Leben am ehesten im Griff zu haben schien und sich außerdem um die Instandhaltung des Hauses kümmerte.Ein Jahr nach ihrem Tod ist ihr Fehlen nicht nur emotional spürbar. Auch das verschimmelte Badezimmer und der allgemein schlechte Zustand des Hauses erinnern daran, dass Lydia nicht mehr da ist. Trotzdem schaffen es ihre drei Freundinnen nicht, auszuziehen. Vielleicht halten sie damit auch ein Stück weit an Lydia fest - gerade weil ihr Verhältnis zu ihr vor ihrem Tod zerrüttet war und die Trauer dadurch umso komplizierter ist.Während der Handlung wird deutlich, dass Harley, Maggie und Róise jeweils mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben, die häufig auch mit Lydia und ihrem Tod zusammenhängen. Partys, Alkohol und harte Drogen werden dabei immer wieder genutzt, um diese Probleme zu verdrängen oder zumindest für eine Weile nicht darüber nachdenken zu müssen.Gerade die Selbstverständlichkeit, mit der Alkohol und Drogen zum Leben der Frauen gehören und mit welcher Regelmäßigkeit Probleme dadurch betäubt und verdrängt werden, hat mir allerdings nicht so gut gefallen.Gleichzeitig hat mich das Buch aber über die Frage nachdenken lassen, wie viel Charakterentwicklung Figuren innerhalb einer Handlung eigentlich durchmachen müssen. Ist es nicht vielleicht sogar authentischer, wenn Veränderungen zwar stattfinden, die Figuren aber trotzdem auch noch an alten Verhaltensmuster festhalten?An vielen Stellen konnte ich deshalb trotzdem mit den Figuren mitfühlen - sei es bei ihren Situationsships, in denen sie eigentlich unglücklich sind und die sie trotzdem nicht loslassen können, oder bei einer Essstörung, die eine Figur sich selbst nicht eingestehen möchte."Weird Girls" beschreibt das Leben dreier Freundinnen, die einen großen Verlust erlitten haben und gleichzeitig versuchen, sich durch das wilde Leben ihrer Zwanziger zu navigieren. Sie müssen mit ihrer Trauer umgehen, sich ihren eigenen Problemen stellen und herausfinden, welchen Platz sie im Leben eigentlich einnehmen wollen. Wer Lust auf ein Buch hat, dessen Titel Programm ist, sollte zu "Weird Girls" greifen.