Der Debütroman Zeppelin und Karpfen von Hannah Mann, die tatsächlich eine Urenkelin von Heinrich Mann ist, hatte mich thematisch sofort angesprochen: Generationengeschichten über Herkunft und Identität interessieren mich immer sehr.
Hier lernen wir die Fotografin Suzanna kennen, die mit ihrer Familie in Berlin lebt. Ihre Tochter Daria lebt nach ihrer eigenen Ordnung, zählt beim Frühstück ihre Froot Loops und braucht für alle Tätigkeiten ihre Stoppuhr.
Oma Nina hat sich nach ihrer Emigration aus Russland nie in Deutschland eingelebt, schwelgt stets in alten Erinnerungen. Als sie eines Tages plötzlich verschwindet und die Polizei untätig bleibt, begibt sich Suzanna mit ihrem Vater und ihrer Tochter Daria auf Spurensuche. Ihre Reise führt sie durch Westberlin bis an den Bodensee, wo sie in die Tiefen ihrer Familiengeschichte eintauchen. Hier gibt es einige Geheimnisse. Werden sie Oma Nina wiederfinden?
Dieses Buch lässt mich leider etwas ratlos zurück; hier hatte ich offenbar andere Erwartungen.
Was ich wirklich mochte, waren die Figuren, ganz besonders die kleine Daria hatte ich sofort ins Herz geschlossen mit ihrer besonderen Art, sie war für mich ein echtes Highlight dieses Romans.
Daria betritt die Terrasse und unterbricht uns. Was ist los?, fragt sie. Worüber redet ihr?
Weißt du, was Freiheit bedeutet, Kleine?, fragt Arthur.
Wenn man hinfahren kann, wo man will?, rätselt Daria.
Freiheit ist, wenn man sich nicht rechtfertigen muss, meint Arthur.
So, wie als du den braunen Teppich gewählt hast?, frage ich.
Der war im Angebot.
So, wie als ich mein Lineal nehmen wollte für den geraden Strich und du es mir verboten hast?, fragt Daria.
Ich erzähle Daria nicht vom Verschwinden meiner Mutter. Mir fehlen die Antworten auf ihre Fragen, die folgen würden.
Mit einem langen Atemzug sauge ich die Luft ein und beobachte, wie das Nachmittagslicht sich in dem schwarzen Holunder verfängt, in dem die Spatzen sitzen. Ich wende mich an Daria: Freiheit ist, die Vergangenheit ziehen zu lassen.
Daria überlegt kurz. Ich bin erst sieben Jahre alt. Wie lange her muss diese Vergangenheit sein?
Was die Geschichte angeht, konnte sie mich leider nur bedingt abholen. Sehr spannend war der Part mit der Reise an den Bodensee und das Geheimnis um den Zeppelin. Ansonsten plätschert die Story so etwas vor sich hin, am Ende ist Oma Nina wieder da und ich bleibe mit der Frage zurück, was mir die Autorin sagen will. Irgendwie hatte ich hier vielleicht andere Erwartungen an das Thema; vielleicht war es einfach nicht das passende Buch für mich. Ich vergebe final wohlwollende 3 von 5 Sternen; bleibe aber neugierig auf weitere Veröffentlichungen der Autorin.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!