Die Maschine flog über dem Atlantik, als die Schlägerei anfing. Zwei Männer, ein Missverständnis und schon flogen die Fäuste. Die irische Rugbymannschaft, die zufällig mit an Bord war, kümmerte sich und trennte die Streithähne. Passagiere wurden umgesetzt. Wegen der Unannehmlichkeiten reichte man einen Cocktail und so kam es, dass die drei Frauen Nora Klaghofer, Dr. Tilda Chen und Ruth Beck nebeneinandersaßen. Die sich gänzlich fremden Frauen suchten nach Gemeinsamkeiten und fanden nur Unterschiede. Die ledige Dr. Chen, ursprünglich aus der Millionenstadt Chengdu, Anfang dreißig, war bisher kinderlos geblieben und froh darüber. Die verheiratete Ruth aus Rheinbach zeigte sich nicht erfreut darüber, noch kein Kind zur Welt gebracht zu haben. Die achtunddreißigjährige Nora dagegen war geschieden und hatte einen achtzehnjährigen Sohn, der gerade ausgezogen war. Nach abgebrochener Schule und Lehre und glücklicherweise abgebrochener Medikamentensucht war der Sohn bei einem Möbelrestaurator untergekommen. Und während ihres intensiven Austauschs merkten die drei Frauen plötzlich, dass sie ihr Cocktailglas alle in der linken Hand hielten. Da war sie die Gemeinsamkeit. Nach dem unterhaltsamen Flug trennten sie sich und versprachen in Kontakt zu bleiben.Bald darauf verstarben Noras Eltern und hinterließen ihr die kleine Stadtwohnung in Wien, die sie sogleich verkaufte und das Landhaus, das sie behielt. Derweil deckte Ruth die außerehelichen Präferenzen ihres Gatten auf und Tilda geriet unter Stress mit ihrer Vorgesetzten. Nora bot beiden an, sie in ihrer Bar anzustellen, die sie gerade erst ins Erdgeschoss ihres Landhauses gezaubert hatte, was sie dankend annahmen. Und so entstand die erste Cocktailbar, die zufällig von drei Linkshänderinnen geführt wurde.Fazit: Der mehrfach ausgezeichnete Autor Heinrich Steinfest, der zweimal für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, hat in seiner kleinen Geschichte ein denkbar absurdes Spektakel inszeniert. Drei Berufsaussteigerinnen eröffnen eine Cocktailbar, die durch die Verkettung mehrerer Zufälle zu einer Institution wird, über die man über die Landesgrenzen hinaus spricht. In einer lauwarmen Frühsommernacht verschwinden auf dem Weg zurück zum Hotel fünfunddreißig Menschen französischer Herkunft. Das führt zu einem nationalen Notstand und zu einigen diplomatischen Verwicklungen, die sich die "Journaille" überschlagen lässt. Ich weiß ehrlich nicht, was mich geritten hat, dieses Buch zu bestellen und kann mich beim besten Willen nicht erinnern, aber da kann ja Heinrich Steinfest nichts dafür. Ich bin überhaupt kein Freund von Grotesken, muss aber zugeben, dass der Autor wirklich gut schreiben kann. Er bleibt seiner altbackenen Eröffnungsstimme bis zum Schluss treu und das passt zur Geschichte. Das ganze Gemisch hält einige durchaus amüsante Situationen bereit, die zum Schmunzeln einladen. Das war mal ein etwas anderer Zeitvertreib, für den es mit Sicherheit Bewunderer gibt, siehe Denis Scheck.