Wer den ersten Band kennt, weiß ungefähr, was ihn hier erwartet. Und das ist sowohl die gute als auch die schlechte Nachricht.Elfenkönig ist in vielem wie Elfenkrone: dieselbe knappe Sprache, dieselbe Tendenz, Informationen dann zu liefern, wenn der Plot es verlangt, und dasselbe Gefühl, dass die Welt mehr könnte, wenn man ihr mehr Raum geben würde. Was Holly Black im zweiten Band aber besser macht, und das muss ich klar sagen, sind die Stakes. Die Handlung hat hier echtes Gewicht. Jude sitzt im Zentrum der Macht, zieht im Verborgenen die Fäden, hält Cardan wie eine Schachfigur in der Hand, und der Druck, den das erzeugt, ist deutlich spürbar. Das ist ein Fortschritt gegenüber dem ersten Band, und ich habe ihn als Leserin gemerkt.Jude selbst ist weiterhin das Herzstück der Geschichte. Ich mag diese Frau. Sie ist klug, sie ist kalt, wenn sie kalt sein muss, und sie macht Fehler, die sich wie echte Fehler anfühlen, nicht wie dramatische Plotdevices. Die Dynamik zwischen ihr und Cardan entwickelt sich, und auch wenn ich die Faszination der beiden füreinander immer noch mehr gespürt als verstanden habe, funktioniert die Spannung zwischen Kontrolle und Kontrollverlust auf emotionaler Ebene.Aber dann sind da die Wendungen.Es gibt mehrere davon, und einige sind gut. Das Problem ist, dass sie manchmal zu schnell kommen. Zu wenig vorbereitet, zu wenig untermauert, sodass sie sich nicht wie Konsequenzen anfühlen, sondern wie Überraschungen um der Überraschung willen. Das ist handwerklich ein Unterschied, der mich herausgezogen hat. Wenn eine Wendung funktioniert, denke ich im Nachhinein: Natürlich. Alles war da. Wenn sie nicht funktioniert, denke ich: Wie kam es dazu eigentlich? Das passiert hier zu oft.Der Verrat, der als zentraler Konflikt aufgebaut wird, ist in der Auflösung befriedigend, aber der Weg dahin ist streckenweise holprig. Einige Szenen fühlen sich inszeniert an, als wäre das Ziel das Bild gewesen, nicht die innere Logik der Charaktere, die zu diesem Bild führt.Drei Sterne, weil die Reihe sich erkennbar steigert. Weil Jude und Cardan als Duo funktionieren. Weil die politischen Intrigen mehr Kontur haben als im ersten Band. Aber ich bin weiterhin jemand, der das Potential dieser Welt für nicht vollständig ausgeschöpft hält.