Die Unschärfe der Welt

Roman. 4. Druckaufl. 2020. gebunden mit Schutzumschlag.
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»Es gab Sehnsucht nach etwas, das verloren war, Sehnsucht nach etwas, das sich nicht erfüllt hatte, Sehnsucht danach, etwas zu finden, und manchmal auch danach, etwas zu verlieren.«

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Produktdetails

Titel: Die Unschärfe der Welt
Autor/en: Iris Wolff

ISBN: 3608983260
EAN: 9783608983265
Roman.
4. Druckaufl. 2020.
gebunden mit Schutzumschlag.
Klett-Cotta Verlag

22. August 2020 - gebunden - 213 Seiten

Beschreibung

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020, den Bayerischen Buchpreis in der Kategorie Belletristik 2020 sowie den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2020.



»Eine Autorin mit einem traumsicheren Sprachgefühl« Denis Scheck



»So schön hat noch niemand Geschichte zum Schweben gebracht.« Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung



Iris Wolff erzählt die bewegte Geschichte einer Familie aus dem Banat, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen. Ein Roman über Menschen aus vier Generationen, der auf berückend poetische Weise Verlust und Neuanfang miteinander in Beziehung setzt.



Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? In »Die Unschärfe der Welt« verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Kunstvoll und höchst präzise lotet Iris Wolff die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Erinnerung aus - und von jenen Bildern, die sich andere von uns machen.



- Ernst-Habermann-Preis 2014

- Literaturpreis ALPHA 2018

- Otto-Stoessl-Preis 2018

- Thaddäus-Troll-Preis 2019

- Alfred-Döblin-Preis 2019 (Shortlist)

- Marieluise-Fleißer-Preis 2019



»Iris Wolff erzählt aus einer tiefen Ruhe heraus. Sie weitet dadurch die Zeit. Für ein Jahrhundert und etliche Menschenleben braucht sie nicht einmal zweihundert Seiten. Und nichts fehlt.«

Carsten Hueck, SWR2




Portrait

Iris Wolff, geboren 1977 in Hermannstadt, Siebenbürgen.
Für ihre Romane wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ernst-Habermann-Preis, dem Literaturpreis ALPHA und dem Otto-Stoessl-Preis. 2019 erhielt sie außerdem den Thaddäus-Troll-Preis, war für den Alfred-Döblin-Preis nominiert und wurde mit dem Marieluise-Fleißer-Preis für ihr Gesamtwerk geehrt. Zuletzt erschien 2017 der Roman »So tun, als ob es regnet«. Iris Wolff ist Mitglied im internationalen Exil-PEN. Sie lebt in Freiburg im Breisgau.

Leseprobe

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Pressestimmen

»Iris Wolff ist eine großartige Erzählerin. [ ] Die Autorin pflegt eine sinnliche und lebendige Sprache, zugleich versteht sie sich auf die Kunst der anschaulichen und subtilen Charakterzeichnung [ ] Am Ende führt Iris Wolff die kunstvoll ausgelegten Fäden zwischen Stuttgart, München, Sylt und dem Banat auf virtuose Weise zusammen. Das ist große, ganz große Erzählkunst.«
Günter Kaindlstorfer, Deutschlandfunk, 23. September 2020

»Ein wunderbarer Roman für einen lange Lesenachmittag.«
Heike Krause-Leipoldt, Lesart, September 2020

» >Die Unschärfe der Welt< ist ein leiser, zurückhaltender und trotzdem sehr intensiver, reichhaltiger Roman [ ]. Fast alle Figuren prägen sich schnell ein, so nahe wie bei Iris Wolff bei ihnen und ihren Köpfen ist. Oft reichen ihr wenige Sätze, um sie auch in der Tiefe zu porträtieren, ihre psychogeografische Landschaft zu erkunden.«
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel, 11. September 2020

»Es ist der Klang der Sprache, ein weiches Schwingen oft kurzer Sätze, das sofort für Die Unschärfe der Welt einnimmt. [ ] Er ist ein Zauberkunststück der Imagination, ohne ins Beliebige des bloß Vorgestellten abzudriften. «
Meike Feßmann, Süddeutsche Zeitung, 09.09.2020
»Vielleicht erweist sich gerade darin die große Kunst der Erzählerin Iris Wolff, die es in jungen Jahren wie jene Zauberin aus Siebenbürgen nach Stuttgart verschlagen hat: dass sie mit nichts als Sprache in ein Reich führt, das jenseits der Sprache liegt. Dieser Magie kann man sich nicht entziehen.«
Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung, 31. August 2020

»Der Roman [...] hat auf  knapper Länge eine große Geschichte zu erzählen.«Andreas Platthaus, FAZ, 27.08.2020

»Iris Wolff verfügt über ein unglaublich raffiniertes psychologisches Besteck ein Instrument mit dem sie ihre Figuren zeichnet. Das ist im Grunde wie Aquarell, aber hinterher hat man wirklich das Gefühl: Wow, das ist wirklich ein großes Panorama, das hier entworfen wurde«Dennis Scheck, WDR2, 30.08.2020
»Ihre große Qualität ist vielleicht das, was Peter Handke einmal bezogen auf den Autor Herrmann Lenz poetischen Geschichtsunterricht genannt hat. Das heißt sie hat eine Sprache gefunden, [ ] um Figuren aufblitzen zu lassen in dem was sie durchmachen müssen. [ ] Iris Wolff hat wieder einen großen Roman geschrieben. «
Rainer Moritz, NDR, 01.09.2020

»Iris Wolf erhält an den Rändern der politischen Systeme entlang und überschreitet diese. Die Autorin erzählt anrührend und aufwühlend, weil sie oft den realen Hintergrund im Unscharfen, ihr Personal und dessen Erlebnisse äußerst plastisch erscheinen lässt.«
Cornelia Geißler, Berliner Zeitung, 24.08.2020

»Es sind die Fäden, die sich unsichtbar zwischen den Menschen spannen, die das Buch so besonders machen.«
Gabriele Weingartner, RHEINPFALZ, 24. August 2020

»>Die Unschärfe der Welt< ist sicherlich einer der schönsten, mitreißendsten und feinsten Romane dieses Büchersommers, ja gar dieses Jahres.«
Roland Freisitzer, Sand am Meer, 24. August 2020

»Ein Glücksfall für die deutschsprachige Literatur.«
Gérard Otremba, Sounds & Books, 22. August 2020

»Iris Wolff schreibt Literatur, die sich Strömungen verweigert. Zeitlos und zauberhaft.«
Jan Haag, Litos, 21. August 2020
»Die Autorin erzählt anrührend und aufwühlend, weil sie oft den realen Hintergrund im Unscharfen, ihr Personal und dessen Erlebnisse äußerst plastisch erscheinen lässt. ... Es gibt unerwartete Wiederbegegnungen, manche zu schön, um wahr zu sein, aber der Roman hat seine eigene Wahrheit. Wie gut, dass er zu den Nominierten für den Deutschen Buchpreis gehört.«
Cornelia Geißler, Berliner Zeitung, 24. August 2020
»Iris Wolff hat Sprachvermögen, das aus den Quartieren ihrer Bildung sowie aus der deutsch-rumänischen Sprachbürgerschaft ein Buch entwickelt hat, das ihr und auch den Leser eine Heimstatt sein kann. Dies vermag nur Literatur von Rang.«
Matthias Buth, Herrmannstädter Zeitung, 14. August 2020

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 27.08.2020

Lockruf des Wassers
Iris Wolffs neuer Roman "Die Unschärfe der Welt"

Es könnte das Jahr von Iris Wolff werden. Nachdem sie im vergangenen November mit dem Ingolstädter Marieluise-Fleißer-Preis ihre erste bedeutende Auszeichnung erhalten hat, wechselte sie nach drei Romanen im exquisiten, aber kleinen Salzburger Otto Müller Verlag mit dem vierten, "Die Unschärfe der Welt", zum Traditionshaus Klett-Cotta, und prompt findet sich das Buch auf der Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises. Es wäre keine Überraschung, wenn der Roman es auch noch auf die Shortlist schaffte, denn er setzt nicht nur die literarischen Stärken und Themen der mittlerweile dreiundvierzigjährigen Schriftstellerin konsequent fort, er hat auch auf knapper Länge eine große Geschichte zu erzählen.

Angesiedelt ist sie im Banat. Das wird die mit Iris Wolffs bisherigen Büchern vertrauten Leser nicht überraschen, denn alle hatten sie ihr Herzgeschehen in den ehedem deutsch besiedelten Regionen Rumäniens, in Siebenbürgen oder ebendem Banat. Iris Wolff hat in beiden Landschaften ihre ersten acht Lebensjahre verbracht, ehe die Familie 1985 in die Bundesrepublik ausreiste, und aus dieser Erinnerungsquelle speisen sich Stoffe und Szenen der Romane: Es sind unvergessliche Eindrücke eines Land- und Kleinstadtlebens, das aus der Zeit gefallen scheint, auch weil immer wieder Momente stillgestellt, literarisch zu höchster Intensität verdichtet werden. "Es gab eine Zeit, die vorwärts eilte", heißt es einmal im Roman, "und eine Zeit, die rückwärts lief. Eine Zeit, die im Kreis ging, und eine, die sich nicht bewegte, nie mehr war als ein einziger Augenblick." Just die Beschreibung solcher Augenblicke beherrscht Iris Wolff meisterhaft; man denke nur ans kurze Erfassen eines vorbeiflanierenden Paares an einer Mole auf La Gomera, das 2017 den dramaturgischen Höhepunkt ihres Episodenromans "So tun, als ob es regnet" vorbereitete.

Die damalige Vermählung von Wasser und Tod ist nun das Leitmotiv in "Die Unschärfe der Welt". Im Mittelpunkt steht eine deutschsprachige Pfarrersfamilie, nicht nur aus religiösen Gründen so etwas wie der ruhende Pol im Dorf, deshalb auch bespitzelt von einem rumänischen Nachbarn. Der Sohn der Familie lernt erst spät sprechen, und sein erstes Wort - "so laut und deutlich, dass der Wind es nicht fortnehmen konnte" - ist kein deutsches: "Zapada" bezeichnet auf Rumänisch den Schnee, den Inbegriff stillgestellter Natur. Das entspricht dem betäubten Leben unter der Herrschaft von Ceausescu, der in einer hinreißend sarkastischen Sequenz des Romans nicht namentlich, sondern mit den Titulierungen seiner Selbstverherrlichung angesprochen wird: "Sohn der Sonne", Genie der Karpaten", "Conducator", "Titan", "Auserwählter", "großer Navigator".

Weitaus mächtiger aber ist das quicklebendige Wasser der Marosch, in dem der junge Echo ertrinkt, die Nordsee, in der der aus Rumänien geflohene Oswald den Tod findet, und der Stausee, in den die dreijährige Livia einfach hineingeht, obwohl sie den Unterschied zwischen festem Boden und Wasser schon kennt. Es ist der Ruf des Wassers, seine Freiheit, die die Menschen anlockt, und die Kunst, die alle Figuren bei Iris Wolff zu beherrschen lernen müssen, ist, diesem Lockruf nicht einfach zu folgen, den festen Boden der Herkunft nicht leichtfertig aufzugeben und ins funkelnde Unfassbare zu gehen - natürlich eine Metapher für die Ausreise, aber keine, die als Kritik an Menschen zu verstehen wäre, die dem Untragbaren nicht länger standhalten wollen, sondern eine, die jene seelische Last deutlich macht, die auch nach der Befreiung von der Tyrannei nicht abgeschüttelt werden kann.

Eingebettet ist dieses schwere Thema in eine Konstellation präzise psychologisierter Figuren: der Pfarrer Hannes und seine Frau Florentine, Echos Eltern Ruth und Severin, die Freunde Samuel und Oswald, die Freundinnen Livia und Stana, der Spitzel Konstanty und dessen integre Frau Malva, das homosexuelle Besucherpaar aus der DDR - ein schillernder Mikrokosmos, für den der programmatische Satz gilt, mit dem Iris Wolff ihr letztes Kapitel einleitet: "Etwas kann so oft und eindrücklich erzählt werden, dass man meint, sich selbst daran zu erinnern." Genau das passiert in "Die Unschärfe der Welt". Dieses letzte Kapitel trägt den Titel "Prestigio", nach dem Glanzpunkt einer Zaubervorführung. Ja, das passt.

ANDREAS PLATTHAUS

Iris Wolff: "Die Unschärfe der Welt". Roman.

Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2020. 215 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Ihrem Buchhändler
von Ihrem Buchhändler - Hugendubel Buchhandlung Mainz Am Brand - 23.10.2020
Keinem anderen Buch habe ich die Nominierung zum Deutschen Buchpreis so sehr gewünscht wie diesem! Iris Wolff schreibt in einer Sprache zum Niederknien, so poetisch, fein und berührend. Die Geschichte ist eine Familiengeschichte in mehreren Episoden, jeweils erzählt aus einer anderen Perspektive, mit Figuren, die man ins Herz schließt und nicht mehr gehen lassen will. Ich hoffe, dass "Die Unschärfe der Welt" viele Leser finden wird!
Bewertungen unserer Kunden
Samuel- in 3 Teilen
von Anonym - 20.10.2020
Im Banat, Rumänien. Es sind die 60er, tiefster Kommunismus unter einem Diktator. Das Leben ist schlicht, oft hart. Erzählt wird eine Familiengeschichte über mehrere Generationen in 3 Kapiteln. Leitfigur ist Samuel- erst als sprachloser Sohn, dann als flüchtender Teenager und schließlich als Vater im mittleren Alter. Während die Sprache weich, zart, leise und poetisch ist, ist es die Realität für die Figuren oftmals nicht. Es ist kalt und rau im Rumänien zur damaligen Zeit und auch später, nach Ende des kalten Krieges. Während die Welt unscharf dargestellt wird- erblühen die Protagonisten unter dem intimen Schreibstil und der Detailverliebtheit der Autorin- das gefiel mir sehr. Es geht um die wichtigen Dinge im Leben dieser Familie, keine Randbegebenheit oder Begegnung mit anderen Figuren wird im Detail erwähnt. Es ist alles reduziert, daher kommt dieser Familienroman auch mit wenigen Seiten aus. Und das, obwohl jeder Satz so intensiv gefühlt werden kann, daß es sich dennoch wie eine Familiensaga liest. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen, mir persönlich hat es sehr gefallen.
Kein Buch für zwischendurch
von Anna O. - 13.10.2020
Iris Wolff erzählt eine Geschichte über mehrere Generationen einer Familie aus dem rumänischen Banat. Der rote Faden ist die Hauptperson Samuel, dessen Leben aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Die historischen Umstände stehen dabei nur in soweit im Fokus, wie sie das Leben der Charaktere bestimmen. Themen wie Homosexualität und das Ceausescu Regime spielen eine Rolle, aber eigentlich lebt das Buch von seinen unterschiedlichen Perspektiven. Trotz großer Zeitsprünge gelingt es der Autorin letztendlich alles zu einem großen Ganzen zu verweben. Ich fand diese unterschiedlichen Perspektiven spannend, musste aber sehr aufmerksam lesen, um die sich kreuzenden Lebenswege richtig einzuordnen. Während der ersten Kapitel war ich ganz euphorisch. Die wunderbare Sprache hat mich beeindruckt. Wollte man sich die schönsten Sätze im Buch markieren, so wäre jede Seite bunt. Voller Poesie und Bildhaftigkeit hat mich die Sprache auch weiter durch das Buch getragen. Trotzdem hat es mich nicht ganz überzeugt. Einerseits bekommt man durch die vielen Perspektiven ein besonders vollständiges Bild einer Person, andererseits bin ich den Protagonisten beim lesen nie wirklich nahe gekommen. Vielleicht war es so gewollt, aber die Unschärfe des Buches hat mir nicht immer gefallen. Dennoch halte ich es für einen großartigen Roman. Einen, den man vielleicht sogar zweimal lesen muss, um ihn ganz zu erfassen.
Ein kleines feines Buch
von Dunja Droske - 12.10.2020
Ich finde der Titel beschreibt das Buch sehr gut. Zuerst hatte ich ein wenig Probleme, mich in den Erzählstil hineinzufinden. Es ist definitiv kein einfaches Buch, was man mal eben nebenbei lesen könnte. Man muss sich darauf einlassen können, zwischen den Zeilen zu lesen und eigenständig zu denken. Doch es lohnt sich und man wird mit wunderbaren Momenten und einer sehr poetischen Sprache dafür belohnt. Das Buch, als ein Familienroman vorgestellt, ist für mich eher ein Buch, welches Schlaglichter auf einzelne Familienmitglieder der verschiedenen Generationen wirft und so einen Bogen über viele Jahre und politische Systeme spannt. Es war nicht das, was ich mir auf Grund des Klappentextes vorgestellt hatte, doch hat mich die Sprache der Autorin, das mit wenigen Strichen entworfenen Charakteren und die, doch immer zu ahnenden Beziehungen untereinander, überzeugt. Dies kleine Buch hat mir schöne Lesestunden beschert und mich zum Nachdenken gebracht. Ich empfehle es gerne weiter.
Die Unschärfe der Welt
von Sabine Mach - 09.10.2020
Iris Wolffs Roman Die Unschärfe der Welt ist zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gelandet. Sie erzählt eine Familiengeschichte über fünf Generationen hinweg auf knapp 200 Seiten. Dabei ist ein ganz besonderes Buch entstanden. Ein Buch, das sich dem Leser nicht auf den ersten Blick erschließt. Ein Buch, das mehr zwischen den Zeilen erzählt, als in den offenkundlichen Sätzen. Ein Buch, das dem Leser mehr Interpretationsspielraum lässt, als er vielleicht gerne möchte. Mich hat die Autorin eingefangen, nur durch ihre Worte. Die sind so voller Poesie, dass es manchmal schon fast weh tut. Für den ein oder anderen ist das sicher zu viel. Mich hat sie damit eiskalt erwischt. Die Geschichten wirken zuerst wie aus dem Zusammenhang gerissen, man weiß nicht, um wen es geht oder wann das Ganze spielt. Erst im weiteren Verlauf entwirrt sich das Knäuel und am Ende sind alle Puzzleteile an ihrem Platz. Und immer bleibt genügend Spielraum für eigene Gedanken. Iris Wolff verpackt schreckliche Szenarien mit ihrer eigenwilligen Poesie und lässt sie für uns Leser dadurch zwar unscharf erscheinen. Aber nicht minder grausam. Ich kann gar nicht anders, als diesem Buch die volle Punktzahl zu vergeben und danke der Autorin für diesen Einblick in eine mir bislang unbekannten Region.
Ein richtiges Wohlfühlbuch
von Sikal - 03.10.2020
Eine Familie im Banat wird hier zum "Protagonisten" und wir dürfen diese Menschen über vier Generationen begleiten, mit ihnen fühlen und den versponnenen Fäden folgen. Die Geschichte beginnt mit Hannes, dem Pfarrer, seiner Frau Florentine und Sohn Samuel. Als zwei Studenten aus der DDR an ihre Tür klopfen, ahnt die Familie nicht, wie sich dies noch auf ihr Leben auswirken wird. Immer wieder war ich fasziniert, welche Wendung die Geschichte nimmt und wie mich die Autorin überraschen kann. Das Buch zählt definitiv zu meinen Lesehighlights 2020. Eingeflochten sind die politischen Zusammenhänge des sozialistischen Regimes, wobei nicht alles ausgesprochen wird und man dennoch erahnen kann, wie eine Glocke aus Misstrauen Denunziationen über den Menschen schwebt. Aber es geht auch um Freundschaft, Liebe, um Unterstützung, Vertrauen und Neuanfang. Womit mich aber dieser Roman am meisten überzeugen konnte, war die Sprache. Iris Wolff schöpft ein ganzes Repertoire an sprachlichen Raffinessen aus. Mal poetisch, dann melancholisch - einfach ein genussvolles Lesen. Sehr gerne empfehle ich dieses Buch weiter und ich vergebe die volle Punktezahl mit der Hoffnung, dass viele Leser sich daran orientieren.
Wenig Handlung, hohes Sprachniveau
von LesePartie - 29.09.2020
Der Roman "Die Unschärfe der Welt" von Iris Wolff steht auf der diesjährige Longlist des Deutschen Buchpreises. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Eine Familiengeschichte über mehrere Generationen auf 212 Seiten zu erzählen, machte mich neugierig. Die ersten beiden Kapitel, oder besser gesagt, Episoden, zogen mich direkt in ihren Bann. Der Sprachstil ist bildhaft und transportiert eine poetische Stimmung. Insgesamt sind es sieben Episoden, die im Gewand der Kurzgeschichte daherkommen und dennoch immer wieder den Bogen zur Familiengeschichte schlagen. Zwischen den jeweiligen Episoden liegen zumeist große Zeitsprünge. War Samuel in der einen Episode noch ein Kind, bekommt er in der folgenden schon seinen ersten Kuss. Aufgrund dessen kommt der Roman zeitlich schnell voran. Leider werden die Lücken hierdurch immer größer. Auch führt es dazu, dass mir keine der Figuren sonderlich vertraut wurde. Aufgrund der Romanstruktur bleiben die Charaktere für den Leser unnahbar. Besonders bedauert habe ich die häufige schwarz-weiß Darstellung, da hätte ein bisschen Schattierung, gerade bei den Charakteren, gut getan. Die Region Banat wird im Roman immer wieder genannt. Allerdings wird auf die die Region kaum eingegangen ebenso wenig wie auf die deutschen Wurzeln der Familie. Warum also dieser Schauplatz und dieser Hintergrund, wenn der Roman nicht vorhat es aufzugreifen und mehr darüber zu erzählen? Hier wurde meiner Ansicht nach das meiste Potential verschenkt. Auch wenn das damalige Ceau'escu Regime an manchen Stellen deutlich und heftig kritisiert wird, bleiben zu viele offene Fragen. Die kaum vorhandene Handlung lässt keinen Spielraum für die Entwicklung der Figuren zueinander. Es wird zwar über eine Familie berichtet, erzählt werden jedoch kurze, aneinandergereihte Geschichten, die nur einen schwachen roten Faden erkennen lassen. Den letzten Teil empfand ich als einen Bruch mit dem, bis dahin vorherrschenden, fast lyrischen Sprachstil. In aller Eile werden ca. 15 Jahre zusammengerafft. Alle sind glücklich, alle sind zufrieden, es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. Der Fokus des Romans liegt eindeutig auf der Sprache und die ist wirklich ein Genuss. Poetisch, feinsinnig und gefühlvoll transportiert die Sprache den jeweiligen Moment. Manche Textpassagen empfand ich als lyrische Erzählkunst. Leider blieb durch diesen Fokus vieles andere auf der Strecke. Ich befürchte die Erzählung wird schnell verblassen, weil der Roman mich leider nicht berühren konnte. Zum einen fand ich keinen Zugang zu den Charakteren und zum anderen ist die Handlung zu dürftig, um als Familiengeschichte im Gedächtnis zu bleiben. Wenn man seine Erwartungen an einen generationsübergreifenden Familienroman zurückschraubt und sich einfach der Stimmung, die von dem Schreibstil herbeigeführt wird, hingibt, kann der Roman ein Lesegenuss sein. Aus meiner Sicht ist sehr viel an Potential verschenkt worden. Vor allem das zuckersüße Romanende passt nicht zum Rest und hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen. Ich kann den Roman weder empfehlen noch davon abraten ihn zu lesen. Sprachlich bewegt sich die Erzählung auf hohem Niveau, inhaltlich gibt es entscheidende Defizite.
Enttäuschung nach (zu?) großer Erwartung
von de. Susi - 28.09.2020
Mit großer Erwartung, da für den "Deutschen Buchpreis 2020" nominiert, bin ich in dieses Buch gestartet. Allerdings ließ es mich nach dem Lesen etwas ratlos zurück und erst nach und nach konnte ich mir dazu eine Meinung bilden. Der Titel ist sinngebend, denn alles Personenbezogene wird mit einer gewissen Unschärfe betrachtet, die durch bildhafte Beschreibungen von allem anderen kompensiert wird. Es sind schlichte, einfache Sätze, durch die mit sehr viel Wucht die Schilderungen lebendig werden. Dennoch ist jedes Wort wichtig ist, um Zusammenhänge erfassen zu können. Gesellschaftliches und Politisches wird, durchaus kritisch betrachtet, knapp angedeutet und es obliegt dem Leser sich Gedanken dazu zu machen. Damit lässt das Buch etwas zu viel Raum für Nichtgesagtes. "Die Unschärfe der Welt" ist nicht schlecht geschrieben und ließ sich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch ganz gut lesen. Trotzdem konnte mich dieses Buch letztendlich nicht ganz überzeugen.
Enttäuschung nach (zu?) großer Erwartung
von de.Susi - 28.09.2020
Mit großer Erwartung, da für den "Deutschen Buchpreis 2020" nominiert, bin ich in dieses Buch gestartet. Allerdings ließ es mich nach dem Lesen etwas ratlos zurück und erst nach und nach konnte ich mir dazu eine Meinung bilden. Der Titel ist sinngebend, denn alles Personenbezogene wird mit einer gewissen Unschärfe betrachtet, die durch bildhafte Beschreibungen von allem anderen kompensiert wird. Es sind schlichte, einfache Sätze, durch die mit sehr viel Wucht die Schilderungen lebendig werden. Dennoch ist jedes Wort wichtig ist, um Zusammenhänge erfassen zu können. Gesellschaftliches und Politisches wird, durchaus kritisch betrachtet, knapp angedeutet und es obliegt dem Leser sich Gedanken dazu zu machen. Damit lässt das Buch etwas zu viel Raum für Nichtgesagtes. "Die Unschärfe der Welt" ist nicht schlecht geschrieben und ließ sich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch ganz gut lesen. Trotzdem konnte mich dieses Buch letztendlich nicht ganz überzeugen.
Nicht überzeugend
von Lilofee - 24.09.2020
Inhalt: Ein Dorf in Siebenbürgen in den 70er Jahren. Florentine lebt dort im Einklang mit der Natur. Diese Landschaft lässt dich so wie du bist, denkt sie. Jeden Morgen begrüßt sie den Tag. Sie erwartet ein Kind, Samuel, einen Jungen. Später bekommt die kleine Familie Besuch aus der DDR, von Bene und Lothar, einem jungen homosexuellen Paar. Florentine wuchs in einer größeren Stadt auf, vermutlich in Hermannstadt. Die ungewollte Schwangerschaft überrascht sie nicht über die Maßen positiv. Sie will das Kind aber in jedem Fall behalten und weiß später das Mutterglück zu schätzen. Die Ruhe und das Schweigen, die sie mit dem Jungen verbinden. Nur in dem Dorf fühlt sie sich nach wie vor fremd. -Es gab keine Mitte für sie, keine Zugehörigkeit, und sie fürchtete, dass sie ihr Kind zum Verbündeten gemacht hatte- Fazit: Die Atmosphäre und die Nöte der Menschen dort wird sehr schön wiedergegeben. Das Leben in einer Gegend mit einem großen Anteil von Deutschen. Die kleinen und großen Umbrüche. Z. B. wie es sogar die Beatles in das kleine Dorf schafften. Aber auch die Securitate spielen eine Rolle, Fluchten und natürlich der große Umbruch 1989/90. Die Charaktere werden wie in Kurzgeschichten beschrieben, vieles muss sich der Leser denken. Das macht sie etwas unnahbar, es ist schwer sich mit ihnen zu identifizieren. Diese Sprachlosigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch diese Geschichte. Die Schreibweise ist fließend nur manchmal bisschen zu poetisch. Verfängt sich in Einzelheiten. Jedes Blatt, jeder Windhauch bekommt hier die größte Aufmerksamkeit. Andere Dinge wie die politische Lage, uneheliche Kinder, Fluchten, Homosexualität usw. werden kurz erwähnt aber nicht weiter vertieft. In der Zeit wird sehr dezent vor und zurückgesprungen. Der Roman schließt mit unerwarteten Wiederbegegnungen, manche vielleicht doch etwas zu Illusorisch, um wahr zu sein. Eine sehr poetische Erzählung mit starken Charakteren in einer politisch sehr brisanten Zeit. Voller potenzial was leider nicht voll ausgeschöpft wurde. Es gibt für meinen Geschmack zu viele Metaphern und zu viel Symbolik. Mich hat diese Geschichte nicht überzeugen können.
Ein sprachlicher Hochgenuss, der den Horizont erweitert.
von Susanne Probst, https://lieslos.blog/ - 17.09.2020
Iris Wolff erzählt feinfühlig und mit brillanter Sprache die Geschichte einer Familie aus dem Banat, einer historischen Region in Südosteuropa, die heute in den Staaten Rumänien, Serbien und Ungarn liegt. Wir begleiten die vier Generationen von der Zeit der Monarchie bis zum Ende der rumänische Revolution von 1989. Im Verlauf des Romans lernen wir schwerpunktmäßig sieben Personen kennen, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist. Diese Personen stehen miteinander in Verbindung und am Ende schließt sich der Kreis. Mit Aufschlagen des Buches werden wir in eine mitreißende und packende Situation in die rückständig wirkende Zeit der 1960-er Jahre hineinkatapultiert: die Geburt von Samuel, der in jedem der sieben Kapitel eine zentrale Rolle spielt. Er ist der einzige Sohn von Florentine und dem deutschstämmigen Pfarrer Hannes. Florentine ist eine introvertierte Frau mit einer Leidenschaft für Bücher und Poesie. Sie kümmert sich um die Familie ihrer bei einer illegalen Abtreibung verstorbenen Freundin Nika und um die Gäste, die ins Pfarrhaus kommen. Auch Benedikt und Lothar aus der DDR gehören zu diesen Besuchern. Sie scheinen etwas im Schilde zu führen und nutzen die Gastfreundschaft von Florentine und Hannes ungewöhnlich lange aus. Auch Samuel hat seinen besten Freund verloren: Echo wird er genannt, bevor er starb. Dann ist da noch Karline. Sie ist die Mutter von Pfarrer Hannes, die aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie stammt und von besseren Zeiten träumt: von der vergangenen Monarchie. Und auch Konstanty, der gewalttätige Ehemann von Florentibes slowakischer Freundin Malva, soll hier noch kurz erwähnt werden. Er ist ein Gegenspieler bzw. Unruhestifter in dieser dörflichen Welt im Banat. Er ist ein überzeugter Kommunist und Anhänger Ceausescus und die Pfarrersfamilie hat ihre liebe Not mit ihm. Wir können uns die Charaktere, deren Umfeld und die Umstände, in denen sie leben, unschwer vorstellen, weil die Autorin sie uns unaufgeregt, empathisch und in wundervoller Sprache mit beeindruckenden Bildern nahebringt. Die Figuren werden authentisch skizziert und dabei glaubhaft und undramatisch miteinander verbunden. In dem Roman werden viele Themen gestreift: Bedeutung von Familie und Freundschaften, Verlässlichkeit innerhalb der Familie, Identitäts- und Sinnsuche, Liebe, glückliche Umstände versus Fügung bzw. Zufall versus Schicksal. Es geht auch um Zusammenhalt, Einsamkeit, Heimat und Sprache. Eingebettet sind
Sprachlich beeindruckendes Familienportrait
von Lesendes Federvieh - 04.09.2020
Iris Wolff erzählt die wechselvolle Geschichte einer rumänischen Großfamilie vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks. Sie verknüpft unterschiedliche Lebenswege, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlicher Distanz immer wieder begegnen. Es ist wirklich mehr als beeindruckend wie Iris Wolff eine komplexe Familiengeschichte, die vier Generationen hinweg verbindet, in nur 216 Seiten erzählen kann. Das bedeutet aber auch, sich Zeit zu nehmen für dieses literarische Sahnestückchen. Ich musste mich erst ein paar Seiten einlesen, bis die Geschichte auf mich wirkte und ich mich der Sogwirkung des Buches nicht mehr entziehen konnte. Die Autorin schafft es mit einer unglaublichen Leichtigkeit den Leser zu dieser Familie mitzunehmen. In eine Zeit des vorigen Jahrhunderts, in der in Rumänien Ceausescu gnadenlos über sein Volk herrschte, der eisernen Vorhang Risse bekam und in Deutschland Grenzen verschwanden. Man hat das Dorf im Banat/Rumänien vor Augen, spürt den Alltag und die angespannte Situation dort, man freut sich und leidet mit Samuel, Florentine, Hannes und all den anderen absolut authentisch skizzierten Charakteren mit. Genau diese Wirkung entsteht in erster Linie durch die sprachliche Brillanz von Iris Wolff. Sie schreibt in einer klaren, direkten und zugleich poetischen Art und Weise vom Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Es hat mir große Freude bereitet, mich mit diesem bewegenden und beeindruckenden Text zu beschäftigen. Die Formulierung "beschäftigen" habe ich gewählt, um zu verdeutlichen, dass es neben einer eindrucksvollen Familiengeschichte viele Feinheiten und Nuancen zwischen den Zeilen gibt, die es lohnt zu entdecken. Für mich ist Iris Wolff vollkommen zu Recht für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert. Fazit: Sprachlich beeindruckendes Familienportrait
Ein eindrücklich erzähltes Zeitbild
von Circlestones Books Blog - 27.08.2020
"Es gab eine Zeit, die vorwärts eilte, und eine Zeit, die rückwärts lief. Eine Zeit, die im Kreis ging, und eine, die sich nicht bewegte, nie mehr als ein einzelner Augenblick." (Zitat Pos. 390) Inhalt Der junge Pfarrer Hannes erhält seine erste eigene Pfarrstelle und so zieht er mit Florentine, seiner Frau, in ein Dorf im Banat, wo auch ihr Sohn Samuel geboren wird. Das Leben der deutschsprachigen Bevölkerung im kommunistisch regierten Rumänien ist schwierig. Misstrauisch wird beobachtet, wer die Gastfreundschaft des Pfarrhofes für Übernachtungen in Anspruch nimmt, besonders, wenn es Reisende aus der DDR sind. Samuel beginnt spät zu sprechen und ist wie seine Mutter nachdenklich und schweigsam, ein Außenseiter. Nika, die sehr jung gestorben ist, war die beste Freundin von Florentine und Nikas Sohn Oswald "Oz" ist jetzt der beste Freund von Samuel. Nach den Erfahrungen im Militärdienst will Oz Rumänien verlassen, doch er bekommt keine Ausreisegenehmigung. Was bedeuten seine Visionen von Drachen, die ihn immer wieder heimsuchen? Samuel erklärt es ihm, denn er hat die Lösung - Drachen fliegen¿ Thema und Genre In diesem zeitgeschichtlichen Generationenroman geht es um eine Familie und ihre Freunde und Bekannten, um das Leben und Schicksal von vier Generationen in einer politisch unsicheren Zeit, die geprägt ist von der Diktatur und Unterdrückung unter Nicolae Ceau¿escu, und von den nachfolgenden Veränderungen. Es geht um Entscheidungen, Zufälle, und um die Liebe, vor allem aber um den uneingeschränkten Zusammenhalt einer Familie. Charaktere Im Mittelpunkt stehen die Mitglieder der Familie um Hannes und Florentine, das sind Karline und Johann, die Eltern von Hannes, sowie Samuel, der Sohn von Hannes und Florentine. Sie alle versuchen auf unterschiedliche Art, das Leben mit allen Höhen und Tiefen zu meistern. Handlung und Schreibstil Die Handlung spielt in Rumänien und Deutschland, in den Jahren vor und nach dem Fall der Berliner Mauer und der Grenzöffnung. Die Ereignisse im Leben der Familienmitglieder werden episodenhaft erzählt. Neue Begegnungen erweitern den Personenkreis, manche bleiben als Freunde, andere entfernen sich wieder, bis sich mit den Jahren und den Erinnerungen langsam der Kreis schließt. Teilweise fühlte die Handlung sich für mich zu bruchstückhaft an, wie Momentaufnahmen, die rasch vorbeiziehen. Was mich jedoch beeindruckte und immer wieder in die Geschichte zurückholte, war die auf eine leise Art sehr intensive, eindringliche Erzählsprache. Fazit Ein Roman von der Suche nach dem Platz im Leben, vom Aufbruch und von Menschen, die zwischen Heimat, Freiheit und Fremde entscheiden müssen, bevor die Grenzen fallen und sich der Kreis der Generationen wieder schließt. Ein Zeitbild, eindrücklich erzählt.
Einfach gut
von begine - 25.08.2020
Die deutsche Schriftstellerin Iris Wolff ist in Hermannstadt in Siebenbürgen geboren. Für ihre Werke hat sie schon einige Preise erhalten. Dort ist auch teilweise der Schauplatz ihres Romans "Die Unschärfe der Welt". Sie schreibt bewegend von einer Familie über vier Generationen aus dem Banat. Mit poetische Stimme führt sie uns durch die Zeiten. Wir erfahren von dem Schicksal mehrerer Personen. Die politischen Ansichten in Siebenbürgen war gefährlich. Nur weil zwei DDR Bürger sie besuchen, gibt es polizeiliche Befragungen, die nicht ohne Gewalt waren. Die Kindheit Samuels wird erzählt und seine Flucht mit seinem Freund Oz. Die Autorin braucht für diese große Geschichte gerade mal gut 200 Seiten. Es ist ein dichtes besonderes Werk. Ich könnte mir den Roman als Film vorstellen.
Poetisch
von TanyBee - 25.08.2020
"Die Unschärfe der Welt" ist ein sehr ruhiges und poetisches Buch. Es erzählt die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen, einer deutschen Familie in Rumänien. Zuerst erfahren wir von Florentine und ihrem Mann Hannes, der Pfarrer der evangelischen Gemeinde in einem Dorf ist. Nach jedem Abschnitt wechselt die Hauptperson und man muss sich erst einmal kurz zurechtfinden, um wen es jetzt geht, in welcher Beziehung die Personen zueinanderstehen und in welcher Zeit wir uns befinden. Ich muss gestehen, dass mir ein bisschen historisches Hintergrundwissen gefehlt hat für die Geschichte und es mir deshalb manchmal schwerfiel, dass Geschehen einzuordnen. Im Verlauf des Buches wird es aber klarer, da sollte man sich nicht entmutigen lassen. Das Buch lebt vor allem von seinen Figuren, die so wunderbar gezeichnet sind. Die stille Florentine, Karline, die dem König nachtrauert, Bene, der Buchhändler, bei dem man am liebsten sofort vorbeifahren würde. Und die Orte sind auch so wunderbar beschrieben, man möchte sich direkt in Florentines Garten ins Gras legen. Allerdings macht es der Roman den Leserinnen und Lesern nicht immer leicht, man muss genau aufpassen, vielleicht auch zurückblättern, hier wird nichts auf dem Silbertablett serviert. Ich muss sagen, dass ich mir anfangs etwas schwer getan habe mit der Geschichte, es aber immer besser wurde je weiter ich gekommen bin, je näher an die Gegenwart das Buch auch gekommen ist. Eine Empfehlung an alle, die literarische, poetische Bücher mögen und die nicht unbedingt eine rasante Handlung brauchen.
Sensible Familiengeschichte, sprachlich brillant umgesetzt
von Literaturhexle - 24.08.2020
Dieser Roman handelt von einer Familie im Banat, die wir über vier Generationen begleiten. Sie beginnt mittelbar noch zur Zeit der Monarchie und endet nach der rumänischen Revolution von 1989. Der Roman ist in sieben Teile eingeteilt, in jedem steht eine Figur im Mittelpunkt. Das Geschehen wird aber immer durch Rückblicke und Erinnerungen ergänzt, so dass die Verbindungen der Figuren untereinander zu jeder Zeit klar sind, obwohl die einzelnen Teile auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Am Ende erschließt sich das große Ganze ohne Anstrengung. Es geht um Verlust und Neuanfang, um die Bedeutung der eigentlichen Familie und die von Wahlfreundschaften. Wie viel ist man bereit, für einen guten Freund zu tun? Welche Konsequenzen auf mein eigenes Leben nehme ich dafür in Kauf? Kann ich mich auf die Familie bedingungslos verlassen? Es geht auch um die Suche nach der eigenen Identität und dem richtigen Platz im Leben. Es geht um Zufälle und Bestimmungen, um die Verlässlichkeit von Erinnerungen und natürlich auch um Liebe. Florentine ist in der Stadt aufgewachsen. Sie hat den deutschstämmigen Pfarrer Hannes geheiratet und mit ihm zieht sie aufs Land nach Zapada in den Banat. Dramatisch beginnt der Roman mit der Geburt des einzigen Sohnes Samuel, die uns in die rückständige Welt dieser Zeit wirft: Kutschen als Fortbewegungsmittel, überfüllte Krankenzimmer, fragwürdige Behandlungsmethoden. Florentine passt sich an das Landleben an. Sie ist jedoch gedankenverloren und schweigsam, hat eine Liebe zu Büchern und zur Poesie, was sie zur Außenseiterin macht: "Ihr Schweigen musste wirken, als hielte sie sich für etwas Besseres. Florentine spürte Worten gegenüber ein nie ganz aufzulösendes Unbehagen. Die Unschärfe der Aussagen verunsicherte sie. Wie sehr sie sich auch bemühte: Sprechen reichte nicht an die Wirklichkeit von Erfahrungen heran." (Ebook S. 19) Es wundert niemanden, dass Samuel auch mit 2,5 Jahren noch nicht sprechen kann, spielt seine Mutter doch lieber "Spiele der Stille" mit ihm. Florentine kümmert sich um die Familie ihrer besten Freundin Nike, die tragisch ums Leben kam. Ins Pfarrhaus kommen regelmäßig Gäste. Die deutschen Junglehrer Benedikt und Lothar integrieren sich wunderbar, auch wenn sie ein Geheimnis zu umgeben scheint. Ein wiederkehrendes, aussagekräftiges Motiv ist die Zeit: "Es gab eine Zeit, die vorwärts eilte, und eine Zeit, die rückwärts lief. Eine Zeit, die im Kreis ging, und eine, die sich nicht bewegte, nie mehr war als ein einzelner Augenblick." (Ebook S. 33) Ruth und Severin gehören zur Pfarrgemeinde. Sie haben ihren 16-jährigen Sohn Echo verloren, was sie in tiefe, ungläubige Trauer stürzt und die Zeit für sie heute rückwärts laufen lässt. Echo war der beste Freund Samuels, eine "träumende" Kuh spendet ihm Trost - ein wunderbares Bild. Hannes Mutter Karline träumt noch von der Monarchie. Sie stammt aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie und sehnt sich in bessere Zeiten zurück. Immer wieder wird sie von Erinnerungen gestreift: "Die Erinnerung ist ein Raum mit wandernden Türen. Manchmal trifft dich der Schatten eines Berges, manchmal ein Wort. Du gehst einen Hügel hinauf, trägst einen Korb Äpfel, wäschst das Haar, und mit einem Mal öffnet sich eine Tür. Eines Morgens dann willst du nicht mehr aufstehen, hast zu nichts mehr Lust. Weil eine Erinnerung reicht." (Ebook S. 52) Es gibt natürlich auch Widersacher in dieser dörflichen Welt: Konstanty, ein überzeugter Kommunist und Anhänger Ceausescus, ist die liberale Grundgesinnung mancher Dorfbewohner und der Pfarrersfamilie ein Dorn im Auge. Er verfügt über Seilschaften und fordert "Kooperation" ein - mit weit reichenden Folgen, die schließlich einen dramatischen Fluchtversuch notwendig machen sowie Einfluss auf das Leben anderer nehmen¿ - Mehr möchte ich an dieser Stelle vom Inhalt nicht preisgeben. Die einzelnen Charaktere und ihre Schicksale werden unpathetisch und glaubwürdig miteinander verbunden, man bekommt ein Bild von den Umständen der jeweiligen Generation und den Herausforderungen, vor die sie sich gestellt sehen. Die leise, einfühlsame und poetische Sprache, die ich als absolut herausragend empfunden habe, führt den Leser in dieses beschauliche Leben im ehemaligen Ostblock hinein. Es entstehen intensive Bilder im Kopf. Zahlreiche Motive (z.B.: Zeit, Sprache, Wind, Licht, Erinnerung) durchziehen den Roman, viele Sätze muss man genießen und auf der Zunge zergehen lassen, soviel Weisheit und Wahrheit steckt darin. Ich bin absolut begeistert von der Sprachvirtuosität der Autorin, die es vermag, nicht nur schöne Worte zu finden, sondern gleichzeitig eine spannende und berührende Familiengeschichte zu erzählen. Das sollte sie für viele Leserschichten attraktiv machen, und ich wünsche diesem Buch ganz viele Leser/Innen. Dieser Roman ist bislang mein Jahreshighlight 2020. Die wunderschön aufgemachte Hardcover-Ausgabe wird einen Ehrenplatz in meinem Regal erhalten. Große Leseempfehlung!
Hat mich leider nicht gepackt
von Gwenni - 20.07.2020
Eines der seltenen Bücher, in die ich einfach nicht richtig reingekommen bin. Viele verschiedene Namen, über die ich immer erst wieder nachdenken musste: wer war das noch schnell, in welchem Verhältnis steht er zu den anderen etc. Ich habe auch etwas länger benötigt, um zu verstehen, dass jedes Kapitel einem anderen Charakter des Buches gewidmet ist, die aber alle in der Geschichte zusammenhängen. Man erfährt also die unterschiedlichsten Blickwinkel von allen Protagonisten. Das klingt alles sehr interessant und abwechslungsreich und eben nach einem richtig guten Buch, weil es einfach toll durchdacht ist und eine andere Erzählweise für Abwechslung sorgt. Ich kann also gar nicht wirklich sagen, warum es mich nicht gepackt hat. Ich war schon über die Hälfte der Erzählung hinaus, bis ich irgendwie ein bisschen das Gefühl hatte, im Roman angekommen zu sein. Leider. Vielleicht lag das einfach nur an mir.
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