Jane Austen gibt einen authentischen Einblick in Werte, Rollenbilder und Erwartungen ihrer Zeit.
Es war interessant, in die Welt des frühen 19. Jahrhunderts einzutauchen und zu beobachten, wie das Leben damals aussah. Die Frauen der Mittel- und Oberschicht hatten viel Zeit, die sie gesellschaftlich nutzten: Handarbeit, Musik, Kunst und Bildung gehörten zum Alltag und dienten dazu, sich stetig zu verbessern. Die Zeit schien langsamer zu vergehen, geprägt von anderen Werten und Moralvorstellungen. Auf gutes und vornehmes Benehmen wurde großer Wert gelegt - doch oft war dies mehr Schein als Wirklichkeit. Nicht selten verhielten sich Menschen in der Öffentlichkeit anders als hinter geschlossenen Türen.Die wichtigste Aufgabe einer Frau bestand darin, eine gute Partie zu machen und vorteilhaft zu heiraten. Kuppelei war alltäglich - und auch Emma versucht sich darin. Doch sie muss bald erkennen, dass sich nicht alles planen lässt und dass man mit gut gemeinten Absichten andere verletzen kann. Menschen sind nicht immer leicht zu durchschauen. Im Laufe der Geschichte lernt Emma Reife, Demut und die Fähigkeit zur Selbstreflexion.Die Charaktere sind insgesamt hervorragend ausgearbeitet und wirken lebendig und vielschichtig. Man erfährt immer wieder etwas über ihre Hintergründe, sodass eigentlich jede Figur eine eigene Geschichte als Hauptrolle verdient hätte. Jede Person ist auf ihre Weise interessant und trägt zur Dynamik der Handlung bei.Der Schreibstil entspricht deutlich der Zeit, in der das Buch entstanden ist: komplex und stellenweise anspruchsvoll. Für mich persönlich waren manche Passagen schwer zu lesen und zu verstehen. Dennoch fand ich die Geschichte spannend. Obwohl das Leben der damaligen Oberschicht aus heutiger Sicht eher ruhig wirkt, wollte ich immer wissen, wie es weitergeht.Was ich mir am Ende gewünscht hätte: Als Emma und Mr. Knightley zueinanderfinden, hätte ich es schöner gefunden, wenn diese Szene nicht nur aus der erzählerischen Perspektive geschildert wird, sondern als direkter Austausch zwischen Emma und Mr. Knightley, also in Form von Dialogen, sodass man ihre Gefühle noch nahbarer miterleben kann.