Wie atmosphärisch kann eine Kneipentour durch das ungewöhnlich stille Prag am Heiligen Abend sein?
Jaroslav Rudiš beantwortet diese Frage in 'Weihnachten in Prag' mit einem klaren "ja".
Jara, Kavka alias Kafka, der König von Prag und eine Italienerin begegnen sich zufällig an diesem Abend - alle ein wenig suchend, ein wenig verloren. In Kneipen mit Namen, die ein Schmunzeln hervorgerufen, entspinnen sich skurrile Gespräche: Thesen werden aufgestellt, Geschichten erzählt, Erinnerungen geteilt. So vergeht der Abend in gemeinsamer Gesellschaft.
Es ist seltsam und zugleich schön zu beobachten, wie diese sehr unterschiedlichen, teils eigenwilligen Figuren zusammenfinden und aus einem zufälligen Zusammentreffen eine besondere Erinnerung machen.
'Weihnachten in Prag' ist kein klassisches Weihnachtsbuch, und doch hat es mich auf eine leise, angenehme Weise melancholisch gestimmt.
Mit seinen knapp 91 Seiten und den stimmungsvollen Illustrationen von Jaromír 99 ist es schnell gelesen - und bleibt dennoch länger im Kopf.
Ich mochte es sehr.