Mit Wie die Karnickel beweist Jasper Fforde einmal mehr, wie originell und mutig er gesellschaftliche Themen literarisch verarbeitet. In einer scheinbar idyllischen englischen Dorfgemeinschaft taucht plötzlich eine Familie vermenschlichter Kaninchen auf und löst damit eine Welle aus Misstrauen, Vorurteilen und politischen Mechanismen aus, die unserer eigenen Realität erschreckend nahekommen.
Das Setting in Much Hemlock wirkt zunächst beschaulich und traditionell. Doch hinter der sauberen Fassade brodeln Ängste vor dem Fremden, Ressentiments und die Bereitschaft, Ausgrenzung als notwendige Ordnung zu rechtfertigen. Fforde spielt klug und absurd-komisch mit den Mechanismen von Rassismus, Bürokratie und Xenophobie. Die Idee, gesellschaftliche Spannungen über anthropomorphe Kaninchen zu spiegeln, ist ebenso ungewöhnlich wie gedanklich stark.
Besonders reizvoll ist dabei die Figur des Peter Knox, der als Mitarbeiter der Rabbit Compliance Taskforce zwischen Bequemlichkeit, Anpassung und moralischer Verantwortung steht. Genau hier entfaltet der Roman sein satirisches Potenzial: Wie weit geht man mit, solange es einen selbst nicht betrifft?
Trotz dieser zweifellos originellen und gesellschaftlich relevanten Grundidee bin ich leider nicht richtig in die Geschichte hineingekommen. Der Stil, die Erzählweise und vielleicht auch die bewusst nüchterne, fast protokollartige Tonlage haben es mir schwer gemacht, eine emotionale Verbindung aufzubauen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, neben dem Text zu stehen, statt wirklich einzutauchen.
Vielleicht ist es schlicht ein Buch, das man im richtigen Moment lesen muss, um seinen vollen Sog zu entfalten.
Lieben Dank an den SATYR Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars über Netgalley.