Lesenswerte Dystopie in einem Paralleluniversum, aber unserer Gesellschaft sehr ähnlich
Jasper Fforde halt ;-)¿Wie die Karnickel¿ erschien im September 2025 im Satyr Verlag. Und wie könnte es da anders sein: Bei dem recht kurzweiligen Roman handelt es sich um eine feine Satire auf unsere Gesellschaft. Dabei verwendet Jasper Fforde viele Anspielungen auf ältere Werke der Literatur oder Filmbranche. Alle habe ich wahrscheinlich gar nicht entdeckt, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Es gibt auch so genügend Stellen zum Schmunzeln. Ich liebe ja diesen trockenen und schwarzen Humor. Nach einem etwas schwierigen, ein bisschen trockenen und dabei sehr anspruchsvollen Anfang bekam ich eine herrliche Dystopie zu lesen. Fforde hält uns quasi mit einer Parabel einen Spiegel vor. Zwar geht es in dem Buch um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Kaninchen, doch das lässt sich leicht auf unsere Gesellschaft übertragen, wenn man denn offen dafür sein will. Vor 55 Jahren geschah DAS ANTHROPOMORPHENDE EREIGNIS. Dabei nahmen verschiedene Tierarten menschliche Körpergröße und andere Eigenschaften an. Während Füchse und Wiesel gut in die Gesellschaft integriert wurden, machten die vermenschlichten Kaninchen den Menschen im Vereinigten Königreich Angst, vermehrten sie sich doch sprichwörtlich und besaßen sogar einen höheren IQ als die Menschen. Die meisten Kaninchen lebten in abgeschlossenen Kolonien, einige aber auch in Freiheit unter den Menschen. Jetzt steht eine Zwangsumsiedelung aller Kaninchen an, die sich das aber nicht so einfach gefallen lassen wollen. Peter Knox gerät zwischen alle Fronten, als Connie Rabbit mit ihrer Familie in seine Nachbarschaft zieht. Peter und Connie verbindet die Vergangenheit, und sie fühlen sich immer noch zueinander hingezogen. Das Dumme dabei: Peter arbeitet für eine Organisation, die gegen die Kaninchen ist. Er tut es nicht aus Überzeugung, sondern weil er irgendwie sein Brot verdienen muss. Doch das Wiedersehen mit Connie bringt ihn in eine echte Zwickmühle. Die Charakterentwicklung von Peter fand ich wirklich stark. Er ist kein Held im eigentlichen Sinne, wächst aber nach und nach weit über sich hinaus. Und die Kaninchen haben es faustdick hinter den langen Ohren! Vordergründig wirken sie fast ein bisschen naiv, doch die Pläne, die sie schmieden, führen um manche Ecke, die man nicht erwartet hätte. Sie sind immer für eine Überraschung gut. Ein absolut lesenswertes Buch! Leider werden es diejenigen, die es nötig hätten, es wohl nicht lesen. ¿¿¿¿¿