Okay wow diese Geschichte ist nicht neu, true. Aber erstmal zum Buch:
Waldo ist 17, scharfzüngig, krass klug und absolut nicht die, die sich mit Highschool-Drama aufhält. In Half His Age erzählt Jennette McCurdy eine Geschichte, die sich nicht um Küsse im Regen oder erste Liebe dreht, sondern um das, was passiert, wenn emotionale Leere auf charismatische Macht trifft. Waldo ist ein Teenager auf dem Papier, aber das Leben hat ihr keinen Spielraum für Leichtigkeit gelassen. Viel zu früh musste sie erwachsen werden, weil ihre Mutter emotional alles von ihr forderte. Während andere in Mathe versagen oder ihre Crushes auf Insta stalken, fragt Waldo sich, ob heute Wasser aus dem Hahn kommt oder ob ihre Mutter gerade an der nächsten Trennung zerbricht. Sie jobbt, zahlt ihre Rechnungen selbst, wirkt nach außen unabhängig. Und doch ist da diese Leere, die sie mit Warenkörben voller Fast Fashion zu stopfen versucht, als würde ein neues Top all das reparieren, was ihr fehlt
Dann verliebt sie sich in ihren Lehrer Mr. Korgy oder vielleicht einfach in die Idee, gesehen zu werden. Was folgt, ist keine süße Romanze, sondern eine verstörende, messerscharfe Analyse einer Beziehung, die nie auf Augenhöhe stattfinden kann. Es geht um Klassenunterschiede, emotionale Parentifizierung, Konsum als Coping und das ständige Ringen um Selbstbild und -wert. Alles verpackt in Waldos Stimme, die dich gleichzeitig umarmt und wachrüttelt.
Meine Lesefalten:
Wir kennen das Motiv: junges Mädchen, älterer Mann, Machtgefälle, Grenzen, die nicht nur verschwimmen, sondern förmlich weggebrüllt werden.
ABER: Ich bin trotzdem hängen geblieben. Nicht, weil ich schockiert war, sondern weil ich mit Waldo durchgedreht bin. Ihre Gedanken sind manchmal wie schmutzige kleine Funken, die einem auf der Zunge brennen. Ihre Direktheit ist roh, unbequem, ehrlich. Kein Filter, keine Schnörkel. Und das tut weh. Und auch ab und zu ein bisschen ihhh (aber vielleicht bin ich einfach zu alt für manche bildlichen Darstellungen ).
Ich hab das Buch in einem Wochenende weggefuttert. Es war wie ein Binge in einem zu kleinen Zimmer mit Neonlicht und zu vielen Gedanken.
Es ist eine Geschichte, die weh tut, weil sie so wahr ist. Weil wir wissen, dass Waldo nicht allein ist. Dass das passiert, jeden verdammten Tag. Und McCurdy benennt es. Ohne Drama, aber mit Wucht.