Das Buch beginnt hochdramatisch mit der Szene, wie Hazel ihrem Direktor ein deutliches Nein entgegenbringt, als dieser sie ganz offen damit konfrontiert, sie für das neue Schuljahr als seine neue Affäre auserkoren zu haben. Was sich aus dieser Szene entwickelt, ist einfach unglaublich: nicht nur Hazels Familie und natürlich die des Direktors, sondern die ganze Schule, der ganze Ort und schließlich sogar das Land werden von den Wellen, die dieses unglaubliche Ereignis schlägt, mitgerissen. Und Hazel steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit - was sie einerseits ablehnt, andererseits aber auch genießt, ist es doch ein Sprungbrett für ihre Traumkarriere als Schriftstellerin. Aber will sie wirklich ihren Ruhm auf diesem widerlichen Moment aufbauen? Nach und nach wird enthüllt, wie Hazels Bruder, ihre Eltern, die Tochter des Direktors, nicht nur durch die Enthüllung dieses Moments selbst, sondern auch durch die Folgen ihrer teils unbedachten Reaktionen aus der Bahn geworfen werden. Neben Anfeindungen aus der Nachbarschaft gibt es vor allem öffentlichen Zuspruch und Unterstützung - und leider kippt die Geschichte an diesem Punkt für mich, da der Missbrauch plötzlich in den Hintergrund tritt und die Geschichte in eine Art Werbekampagne umschlägt, die Hazel als neue Autorin und Heldin feiert. Das ernste Thema wird nur noch am Rande aufgegriffen und die anfängliche Schockwirkung verpufft regelrecht. Erst zum Ende hin wird der im Mittelteil allzu unterhaltsame Ton wieder ernster und kehrt zum Ursprung zurück und bekommt so gerade noch die Kurve. Trotzdem verlaufen die wichtigen Themen zu sehr im Sande und ich hatte mir insgesamt mehr Tiefe von dem Buch erwartet.