Puh, was für eine Erzählung, die doch auf einer uralten Sage und Legende beruht, auf der des Wilhelm Tell, auf die sich die ganze Nation der Schweizer beruft und in ihr sogar ihren Gründungsmythos sieht. Joachim B. Schmidt erzählt diese Geschichte neu: wie die arme Landbevölkerung unter der habsburgischen Obrigkeit leidet, wie diese Obrigkeit nur der ihr eigenen Willkür folgt, wie Tells ganze Familie, eigentlich doch soweit ab der Ortschaft lebend, dieser Obrigkeit ausgesetzt ist und wie diese ihr Schicksal bestimmt, wie Tell den Hut auf der Stange, dieses lächerliche Symbol der Herrschaft - nur unwissentlich? - nicht grüßt und daraus am Ende ein Tyrannenmord wird.Schmidt macht die uralte Sage zu einer modern nacherzählten Familiengeschichte in einhundert schnellen Sequenzen, jeweils aus der Sicht der betroffenen und handelnden Personen. Am Ende ist man diesen Menschen so nah gekommen, als hätte man sie selbst erlebt und zu Freunden gehabt. Sogar die Kuh Karla ist einem nahegegangen und liebgeworden.Eine alte Geschichte neu und modern erzählt: aber wie! Kraftvoll, teils ungestüm, immer einfühlsam, am jeweiligen Menschen dran, zutiefst beeindruckend und, wie es der Klappentext völlig zu Recht behauptet, mit einem unwiderstehlichen Sog.