Der Festa Verlag hat sich ja bekanntermaßen einem Genre verschrieben, dem nicht unbedingt jeder Leser etwas abgewinnen kann, Fans von gepflegtem Grusel, blutigem Horror, oder auch feiner Science-Fiction sind hier gut aufgehoben. Man findet hier bekannte Größen des Genres, fast vergessene Klassiker und natürlich auch den ein, oder anderen Geheimtipp. Für mich als großen Fan klassischer Horrorgeschichten ala Stephen King war es natürlich eine große Freude diese Sammlung mit vier Novellen vom amerikanischen Autor Joe Hill zu entdecken, der, Fans werden es wissen, der Sohn des Meister ist und offensichtlich das Talent seiner Eltern geerbt hat, seine Mutter ist ja ebenfalls Schriftstellerin.
Die vier Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein und bieten einen guten Einstieg, gerade für Leser, die bisher noch nichts von Joe Hill gelesen haben.
Mit "Schnappschuss" erfährt der Leser eher klassische Gänsehautmomente. Man lernt den jungen Mike kennen, der seine demente Nachbarin nach Hause bringt und von ihr eine merkwürdige Warnung im Bezug auf einen Fremden bekommt. Sehr eindringlich schärft die alte Dame Mike ein, sich ja nicht von dem Fremden fotografieren zu lassen. Als Mike wenig später dem seltsamen Mann mit seiner Polaroid begegnet, ahnt er nicht, was er auf den Fotos, die diese Kamera schiesst zu sehen bekommt.
"Geladen" hingegen hat fast thrillerartige Züge. Da ist die Reporterin Aisha Lanternglass, die über den vermeintlichen Amoklauf im örtlichen Einkaufscenter berichten will und dabei auf Ungereimtheiten beim Tathergang stößt. Ihr ist schnell klar, dass an der Aussage des Mitarbeiters der Security, der für sein heroisches Einschreiten gefeiert wird, etwas nicht stimmen kann und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.
"Hoch Oben" ist dann ganz etwas Anderes, lässt sich wohl am ehesten der Phantastik zuordnen und ist für mich leider nicht ganz so stark wie die anderen Storys. Man lernt Aubrey in einer Situation kennen, in der er sich fast vor Angst in die Hose macht, denn er befindet sich in einem Flugzeug, festgeschnallt an einen anderen Mann, bereit für einen Tandem Fallschiermsprung, wobei bereit ist er eigentlich gar nicht, am liebsten würde er die ganze Aktion abblasen, wäre da nicht Harriet, seine heimliche Liebe, die diesen Sprung unbedingt für ihre verstorbenen Freundin June machen will. Für Aubrey gibt es kein zurück, allerdings endet der Sprung nicht wie geplant.
Den Abschluss bildet "Regen", für mich, neben "Schnappschuss" eindeutig mein Highlight, weil ich einfach ein riesen Fan solcher Endzeit/Weltuntergansszenarien bin. Heldin in dieser Geschichte ist die 23 jährige Honeysuckle Speck, deren Leben gerade so richtig super werden soll, ist sie doch gerade dabei mit ihrer Freundin zusammen zu ziehen. Kurz nach der Ankunft von Yolanda und ihrer Mutter beginnt es zu regnen, nur das dieser Regen tödlich ist.
Wie schon gesagt, die Storys könnten unterschiedlicher nicht sein und das mir "Hoch Oben" jetzt nicht ganz so gut gefallen hat liegt nicht am Schreibstil des Autoren, sondern einfach an der Thematik, die eben nicht so ganz meins war. Mir gefällt die Erzählweise Jo Hills wirklich sehr, er hat ein gutes Auge für Details und bindet geschickt Themen wie Rassismus, Homophobie, soziale Ungerechtigkeit, religiösen Fanatismus, Polizeigewalt, die Debatte um eine Änderung der Waffengesetze und so viel mehr in seine Geschichten mit ein. Die etwas schrägen Protagonisten in diesem Buch sind allesamt eher nicht auf der Sonnenseite des Lebens, haben Schicksalsschläge hinter sich, oder sind Anfeindungen auf Grund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, oder ihrer Sexualität ausgesetzt und diese Figuren werden nun meist zu unfreiwilligen Helden in den Phantasien des Autors und wachsen darin über sich hinaus. Was mir ebenfalls gut gefällt, ist die Alltäglichkeit, aus der hier die Katastrophe erwächst. Ich liebe es, wenn eben noch alles ganz normal ist und plötzlich *bähm* die Welt gerät aus den Fugen. Eine Vorstellung, die mir immer wieder Gänsehaut bereitet, eben weil es die Figuren unvorbereitet trifft und dadurch den Eindruck verstärkt, so etwas könnte jedem von uns jederzeit selbst passieren, frei nach dem Motto - das Grauen lauert unter der Oberfläche.
Mich hat vieles am Stil des Autors natürlich an seinen berühmten Vater erinnert und das meine ich durchaus als Kompliment, denn ich liebe die Bücher von Stephen King. Gerade "Schnappschuss" hat dieses Gefühl bei mir ausgelöst und ich glaube hier viele Parallelen zu spüren. Ein bisschen war das wie "nach Hause kommen" für mich, habe ich doch in meiner Jugend solche Storys geradezu verschlungen und bin auch heute noch ein mega Fan.