»Die Weltenerschaffer« ist die erste Graphic Novel, die ich gelesen habe - auch wenn es ja irgendwo doch wieder gar keine Graphic Novel ist. Denn eigentlich handelt es sich um ungewöhnliche Biografien, die neben den Comic-Elementen auch sehr viele ganz normale Textpassagen enthalten. Ganz nebenbei erklärt das Buch außerdem Sach-Themen wie Literaturgeschichte oder historische Ereignisse. Genau diese Mischung hat mir aber ausgesprochen gut gefallen.
Ich begeistere mich für Literatur im Allgemeinen und in dem Zug natürlich auch für die Werke von J. R. R. Tolkien und C. S. Lewis. Trotzdem wusste ich über die beiden selbst bisher erstaunlich wenig. Von Tolkien kannte ich immerhin den Film über sein Leben, mit Lewis' Biografie hatte ich mich zuvor noch überhaupt nicht beschäftigt. Umso schöner fand ich es, hier beide besser kennenzulernen - nicht nur als die großen Autoren, sondern auch als Menschen und vor allem als außergewöhnliche Freunde.
Was John Hendrix hier geschaffen hat, hat mich wirklich berührt und inspiriert. Er erklärt selbst sehr schön, dass die Geschichte der beiden zeigt, dass Genialität, wenn sie auf echte Freundschaft trifft, noch viel mehr gedeiht. Und genau das fand ich an ihrer Geschichte so faszinierend: Obwohl sie so viel Zeit in ihren erdachten Welten zubrachten, waren sie keine verschlossenen Eigenbrötler, sondern Menschen, die Freundschaften pflegten, ein Familienleben führten und sozial eingebunden waren - und gerade daraus ganz besondere Kraft für ihre Werke ziehen konnten.
Die Geschichte der beiden hat mich immer wieder zu Tränen gerührt. Besonders Lewis Weg zum Glauben fand ich auch extrem faszinierend und außergewöhnlich. Gleichzeitig bekommt man ein viel besseres Gefühl dafür, warum Tolkien und Lewis ihre Werke so geschrieben haben, wie sie sie geschrieben haben, und welche Erfahrungen und Gedanken dahinterstanden.
Sehr angenehm fand ich auch den Aufbau des Buches. Normale Textpassagen wechseln sich mit den Comic-Seiten ab, ohne dass sich das irgendwie sperrig anfühlt. Am Ende wird außerdem noch einmal aufgeschlüsselt, was die Comic-Teile, in denen wir einen Löwen und einen Zauberer begleiten, für einen tieferen Sinn haben. Dadurch bekommen diese Passagen noch einmal eine zusätzliche Bedeutung.
Besonders praktisch finde ich die Möglichkeit, theoretischere Themen bei Bedarf zu vertiefen. Wenn zum Beispiel erklärt wird, was ein Mythos ist, geschieht das nicht im laufenden Text, sondern man kann über ein »Portal« ans Ende des Buches springen und dort einen entsprechenden Einschub lesen. So kann man sich noch intensiver mit der Theorie beschäftigen, wenn man das möchte, oder sie einfach überspringen, wenn einen der biografische Teil stärker interessiert.
Der Autor erklärt selbst, dass er vieles vereinfacht dargestellt hat. Für meinen Geschmack ist das bei einem solchen Werk aber vollkommen in Ordnung. Wer intensiv in das Leben von Tolkien und Lewis eintauchen möchte, wird sowieso zu ausführlicheren Biografien greifen. Wer dagegen einen leicht zugänglichen Einstieg sucht, für den ist »Die Weltenerschaffer« optimal. Man kann beide Autoren hier besser kennenlernen und ihre Werke besser verstehen, ohne schon großes Allgemeinwissen über Literatur oder Geschichte mitbringen zu müssen. Dadurch ist das Buch sicher auch für jugendliche Fans von Tolkien und Lewis bereits sehr gut geeignet.