Ein Stück Schweden in Buchform. Viele ernste Themen zum Nachdenken.
Eigentlich wollte Madeleine nie ins Sommercamp nach Schweden. Doch ihre Eltern beschlossen, ihren Urlaub alleine zu verbringen und reisten ohne sie nach Japan. Die Tage im Camp vergehen und das Mädchen verbringt ihre Zeit vor allem damit, nicht aufzufallen. Madeleine hat ein paar Kilos zu viel und wird daher von den anderen gemobbt. Kein Wunder also, dass sie sich bei einem gemeinsamen Ausflug zu einer Mine alleine im Bus versteckt und sich dort ihren einsamen Gedanken hingibt. Doch sie schläft ein und als sie erwacht, fährt der Bus. Juli, ein junger Punk, hat ihn sich ¿ausgeliehen¿, um ein Versprechen an seinen verstorbenen Großvater einzuhalten ¿ dessen Geburtstag am Nordkap zu feiern. Nachdem die erste Empörung verklungen ist, beschließt Madeleine sich auf das Abenteuer einzulassen. Als dann auch noch auf dem Weg Vincent dazustößt, ist die ungewöhnliche Truppe vollständig.¿Steckmückensommer¿ von Jutta Wilke ist ein kurzweiliger Jugendroman, der viele ernste Themen anspricht und doch das Gefühl eines lauen Sommerabends in Schweden aufkeimen lässt. Vor allem die Themen Tod und Einsamkeit schweben über allem. Madeleine muss alleine den Tod ihres ungeborenen Bruders und die Worte ihrer mobbenden Mitcamper verkraften. Juli verarbeitet den Tod seines Großvaters, den er bis zuletzt pflegte, auf seine Art und versucht trotz Wissensdefizite sein Ziel zu erreichen. Vincent hat das Down-Syndrom und leidet unter den Vorurteilen der Menschen und der Überforderung seiner Eltern. Gemeinsam bringen die drei eine Vielzahl an Problemen mit, unter denen Kinder und Jugendliche zu leiden haben können. Lösungen gibt das Buch nicht, jedoch zeigt es, dass man trotz aller Probleme mit den richtigen Menschen eine schöne Zeit verbringen kann.Die Geschichte ist in Präsens und aus der Ich-Perspektive von Madeleine geschrieben. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und wird somit der jungen Zielgruppe gerecht. Auch das Cover ist toll gestaltet und die Schriftart angenehm groß.Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Trotzdem hätte ich mir ein paar schwierige Themen weniger gewünscht. Auf knapp 200 Seiten fallen diese teilweise doch sehr oberflächlich aus. Dies wird noch dadurch intensiviert, dass wir die Handlung aus der Sicht einer 13-jährigen verfolgen, die natürlich auf viele Schwierigkeiten keine Antwort weiß ¿ erst recht nicht auf ihre eigenen. Am Ende bleiben doch viele Fragen offen, da die Handlung an einem Punkt abbricht, bei dem der weitere Verlauf scheinbar klar ist. Dies ist ein interessantes Stilmittel, aber mir fehlt die professionelle Erfahrung mit Kinderbüchern, um zu wissen, ob dies auch für die junge Zielgruppe hilfreich ist oder ob ein deutlicherer Abschluss besser gewesen wäre. Ich werde das Buch auf alle Fälle an einen jungen Leser weitergeben und mich dann darüber unterhalten. Mir werden jedoch die wundervollen letzten Kapitel im Gedächtnis bleiben, die mir Schweden eindeutig ein wenig näher gebracht haben.