Ich mag keine konventionellen Liebesromane, aber bei Hero von Katie Buckley hatte mich sowohl der Klappentext als auch die Leseprobe stark begeistert. Das klang sehr experimentell, definitiv kein 08/15-/Standard-Liebesroman.
Es geht hier um Hero, eine Kellnerin, die mit ihrem Freund, einem Chefkoch, zusammenlebt. Früher waren sie nur befreundet, aber irgendwann wurden sie ein Liebespaar. Als er sie bittet, ihn zu heiraten, ist sie überfordert, denn sie will nicht so enden, wie viele andere Ehepaare.
'Ich habe doch gesagt, ich brauche etwas Zeit, um darüber nachzudenken', sagte ich. 'Ich weiß nicht ob ich bereit bin.'
'Warum nicht?', fragte du. 'Das machen Leute halt, wenn sie sich lieben. Sie heiraten und bekommen Kinder. Warum tust du so, als wäre das eine verdammte Zumutung?'
'Ich sehe diese Dinge halt anders', sagte ich. Ich möchte nicht Ehefrau oder Mutter sein, sondern ein eigenständiger Mensch.'"
Sie bittet ihn um eine Bedenkzeit von 7 Tagen. In dieser Woche reflektiert sie ihr bisheriges Leben.
Tagebuchartig werden wir an ihren Erinnerungen, Dialogen und aktuellen Gedanken.
Das war nicht einfach zu lesen und mir persönlich stellenweise zu ausschweifend, auch wenn ich die grundsätzliche Botschaft des Buch sehr gut fand: Inwiefern ist ein selbstbestimmtes Leben innerhalb einer Beziehung bzw. Ehe möglich?
"Alle Männer, mit denen ich zusammen war, wollten mich verändern, sagte meine Mutter. [...] Männer verlieben sich in Frauen wie uns [....]. Aber sobald sie uns haben, wollen sie die Eigenschaften entfernen die Ihnen nicht gefallen."
"Jahrelang habe ich vom Heiraten geträumt. Früher war ich eine dieser Frauen, die bei jedem schönen Date erwarteten, dass er ihr einen Antrag macht. Dieses Wartespiel ist ziemlich erniedrigend."
Literarisch fand ich das Buch vor allem zu Beginn sehr überzeugend, wenngleich anspruchsvoll.
Viele Worte haben mich voll gepackt:
"Ich will wie ein Mann sein. Ich will alles haben können."
"Ist es nicht seltsam, wie wir später an unsere Anfänge zurückdenken? Vielleicht wollen wir, dass 'du bist wie für mich geschaffen' wahr erscheint.
Aber eigentlich bedeutet
du bist wie für mich geschaffen
einfach nur
du gehörst mir."
"Du glaubst, du bist frei, und dann heiratest du [...] Und dann - ist es vorbei."
"Aber so sieht mein Herz nun mal aus. Es sind Stiefelabdrücke drauf."
Ein sehr intensiver, aber nicht einfach zu lesender Roman.
Meine hohen Erwartungen aufgrund der sehr eindrücklichen Leseprobe wurden leider nicht ganz erfüllt. Vor allem der fragmentische, sprunghafte Schreibstil fordert hohe Konzentration; vieles war mich dann einfach zu aus- bzw. abschweifend. Ich war beim Lesen hin- und hergerissen; teilweise tat ich mir schwer beim Lesen, dann packte es mich wieder voll:
"Zu lieben, zu ehren und zu gehorchen hat kein Echo, wie der Ruf in eine endlose Höhle. Die Dunkelheit wird nur schwärzer, je tiefer man geht."
"Du darfst glücklich sein, weißt du? Es ist okay, geliebt werden zu wollen. I
Ich weiß, sage ich. Ich will aber auch noch andere Dinge."
"Ich verzichte bei den Männern in dieser Geschichte auf Namen. Also keine Sorge, falls du den Überblick verloren hast, von wem ich gerade spreche. Es macht keinen Unterschied."
"Dies ist eine Liebesgeschichte. Der Anfang und das Ende sind gleich, erinnerst du dich? Niemand weiß, wie unsere Ehe sein wird, falls wir heiraten. Die Geschichte geht zu Ende, wenn ich ja sage oder nein. Oder wenn du nein sagst ... [...]"
Mein Fazit: Hero ist ein wichtiges, intensives und anspruchsvolles Buch, das definitiv einigen Stoff zum Nachdenken gibt. - 3,5