Über Geschichten, die mich so richtig mitreißen konnten, schreibe ich am liebsten Rezensionen. Deshalb freue ich mich jetzt, meine Begeisterung für Moth Dark Verwoben in Dunkelheit von Kika Hatzopoulou, übersetzt von Daina Bürgel, zu teilen und hoffe, dass du diese Geschichte genau so lieben wirst wie ich.
Für Sascia ist das Dark, eine Parallelwelt, die sich mithilfe zahlreicher Schlünde einen Weg in unsere Welt gebahnt hat, mehr als eine furchteinflößende Fremdheit, es ist Faszination und Lebensinhalt, mitsamt seiner Flora und Fauna. Für andere ist Sascia nicht nur wegen dieser Obsession entweder eine Enttäuschung oder eine vielversprechende Kandidatin für eine Elite-Uni. Sie selbst sieht sich als Versagerin, eine, die ihre Chancen nicht genutzt hat, obwohl sie weiß, dass sie klug ist. Schon allein diese Konstellation macht sie zu einer vielschichtigen Protagonistin, die erst für sich selbst herausfinden muss, wer sie ist und was sie will.
Dieser Prozess wird beschleunigt, als ein humanoides Wesen aus dem Dark in unsere Welt emporsteigt, eine intelligente Form, die laut Xenoforscher*innen, die das Dark jahrelang untersucht haben, schlichtweg nicht möglich sei. Und doch steht Nugau auf einmal in Manhattan, in all xieser Pracht und Multigenderidentität. Ab hier wird die Geschichte unfassbar progressiv, setzt sich mit Genderrollen auseinander, erklärt Pronomen und Genderfluidität. Das erfolgt in einer so respektvollen Art und Weise, dass es eine wahre Freude ist.
Mich hat aber nicht nur der Umgang mit Gender begeistert, es gibt so viele Elemente, die eine Vielfalt wiederspiegeln, wie ich sie viel öfter in Jugendbüchern lesen möchte: So hat Hatzopoulou ihre griechisches Wurzeln in Sascia und ihre Familie einfließen lassen, hat mit Sascias Cousin eine disabled Repräsentation und mit der multinationalen Forschungsgruppe noch mehr Lebensrealitäten abgebildet. Dazu kommt der naturwissenschaftliche Fokus bei der Erforschung des Dark.
Doch auch die Geschichte selbst ist spannend und ziemlich einzigartig, auch wenn einzelne Strukturen altbekannt sind. Anfangs hatte ich noch ein bisschen Probleme mit dem Erzählstil, aber das hat sich Gott sei Dank schnell gelegt. Die Geschichte weist ein angenehmes Tempo auf, sowohl ruhige Momente als auch actionreichere Szenen tragen sehr ausgewogen durch die Handlung.
Ich bin fast ein bisschen traurig, dass Moth Dark ein Einzelband ist, die Welt hätte für mich so viel Potential für weitere Geschichten. Aber sag niemals nie, vielleicht bekommen wir eines Tages noch mehr Einblicke in das Dark und seine Bewohner.