Musik und Literatur. Verbindet ihr manchmal für euch ganz besondere Songs mit Büchern?
Mir ging es so bei Fast ein Leben von Kiran. Während des Lesensmusste ich permanent an Liebe meines Lebens von Philipp Poisels denken. Darin beschreibt er, dass am Ende alles, was er tut, nur dem einen Ziel dient, irgendwann wieder bei diesem einen, seinem, Menschen zu sein. Zwischen diesem Song und Fast ein Leben habe ich so viele Parallelen entdeckt, dass ich mir einfach wünsche, ihr hört ihn euch an!
So traurig mich dieses Lied mit einem Teil meiner eigenen Geschichte immer wieder macht, so traurig war ich auch beim Lesen dieses großartigen Romans. Leichte Sommergefühle im Paris des Jahres 1978 habe ich nicht empfunden. Mit jedem Zeitsprung, jedem Ortswechsel nach England oder Rouen und jedem weiteren Jahr, das verging, wurde dieses Gefühl nur noch intensiver.
Erica und Laure sind zwei Menschen, die sich über alles lieben und doch nicht über ihren eigenen Schatten springen können, um gemeinsam zu leben. Seite für Seite hat mir das beinahe das Herz gebrochen. Immer wieder hoffte ich, dass sie endlich den Mut finden, sich füreinander zu entscheiden.
Der Roman ist aber keine kitschige Liebesgeschichte. Schwierige Themen wie Homophobie, AIDS, Depression und Alkoholabhängigkeit werden so lebendig in die Lebensläufe der Haupt- und Nebenfiguren eingeschrieben, dass bei mir diese melancholische Stimmung entstand.
Mich von Laure und Erica zu verabschieden fiel mir unheimlich schwer. Ich habe beide geliebt, jede auf ihre ganz eigene Art. Auch die Nebenfiguren haben ihre Rollen als Leserlieblinge (oder eben nicht) so gut erfüllt, auch ihre Wege hätte ich noch seitenweise weiter verfolgen mögen, stehen sie doch alle für einen besonderen Impuls ihrer jeweiligen Zeit.
Der Roman liegt mir auf der Seele und im Herzen. Für mich ist er eine klare Aufforderung, das Leben so zu leben, das uns glücklich macht. Ganz egal, wie schwierig dieser Weg auch sein mag oder welche Konventionen dafür gebrochen werden müssen.