In ihrem neuen Roman "Fast ein Leben" verwebt Kiran Millwood Hargrave zwei Frauenleben zu einer Geschichte über verpasste Gelegenheiten und die Sehnsucht nach dem 'fast gelebten' Leben.
Sommer 1978 in Paris. Die junge Erica lernt bei einem Auslandsaufenthalt die rebellische, selbstbewusste Studentin Laure kennen. Zwischen den beiden Frauen funkt es für beide unerwartet sofort. Sie beginnen eine Affäre, die zwischen Leidenschaft und Eifersucht schwankt. Als Erica nach dem Ende des Sommers nach England zurückkehrt, leiden beide unter der Trennung. Doch ihre Liebe scheint den räumlichen Abstand nicht überwinden zu können. Erica beginnt wie geplant ihr Studium, sie möchte Schriftstellerin werden. Stattdessen heiratet sie und wird Mutter.
Laure fiel nach der Trennung in ein tiefes Loch, nur ihre Freunde können sie auffangen.
Die Geschichte der beiden Frauen erstreckt sie über vier Jahrzente, immer wieder kreuzen sich die Wege von Laure und Erica, immer wieder flammt die Leidenschaft auf, doch beide sind gefangen in ihren Leben. Dennoch denken beide immer wieder darüber nach, ob es nicht noch ein gemeinsames Glück für sie geben könnte.
Was sie von Erica wollte, könnte sie nie haben. Dieser Weg war ihr verschlossen. Sie hatten ihre Chance verpasst, ihre Chancen. Selbst wenn Laure ihr sagte, was sie für sie empfand, und Erica dasselbe empfinden würde, wäre dennoch nicht klar, was daraus folgen sollte. Sollte Erica hier leben? Die Mädchen mitnehmen? Das würden die Gerichte niemals gestatten. Und Erica würde sich nicht für sie entscheiden, so wenig wie das letzte Mal oder das Mal davor. Sie hatte sich für ihre Ehe entschieden, die Kinder. Und Laure konnte ihr weder das eine noch das andere geben.
Der Schreibstil von Kiran Millwood Hargrave hat mir gut gefallen; die Charaktere waren vielschichtig und authentisch.
Neben der Beziehungsgeschichte zwischen Laure und Erica bindet die Autorin auch zeitgeschichtliche Ereignisse, politische Umbrüche und die Geschichte der queeren Community von den 70ern bis in die 2010er Jahre ein.
Ein paar Längen gab es zwischendurch im mittleren Teil, ansonsten hat mir diese berührende Geschichte über Entscheidungen und Was wäre wenn-Momente sehr gut gefallen.
Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!