Trotz namenhaftem Autor grausig zu lesen
Aufgrund des namhaften Autors wollte ich "Hunger" einmal gelesen haben. Aber es ist mir ein Rätsel, warum das 1890 erschienene Buch lesenswert sein soll. Vielleicht war die Geschichte eines erfolglosen Schriftstellers (zugleich wohl ein halb-autobiografischer Roman) und der realistische Erzählstil, teils mit einfließenden Bewusstseinsströmen, damals etwas Neues oder Einmaliges. Mich hatte das Thema auch heute noch gereizt. Der tatsächliche Hunger und Geldmangel, der den Protagonisten darin quält, wird ohne jede Beschönigung beschrieben oder regelrecht seziert. Leider hatte ich den Eindruck, er suhlt sich in diesem Befinden und sieht darin sein Schicksal, dem er nicht entkommen möchte. Denn jede noch so kleine Verbesserung wird sogleich weggeschlagen. Auch wenn sein Bewusstsein durch den Hunger eventuell getrübt ist, konnte ich mich mit dem beschriebenen Schriftsteller und seinem Elend nicht anfreunden. Da alles detailreich Beschriebene gleich schlimm bleibt, Seite um Seite, ist es ebenso für den Leser eine Qual. Einen noch schrecklicheren Inhalt habe ich nur in "Die Stadt der Blinden" vorgefunden - ebenso unerträglich zu lesen, aber trotzdem ein empfehlenswertes Buch. Die Qual und der Ekel vor dem Gelesehen lohnen sich sozusagen. Das kann ich von "Hunger" nicht behaupten und werde mich wohl an "Segen der Erde" eher nicht herantrauen.