
Besprechung vom 02.04.2026
Marmeladen von Münchner Omas
Sie nennen sich "Kuchentratsch", sind nach eigenem Bekunden allesamt Omas, geben nur ihre Vornamen preis - und teilen eine Leidenschaft: Kuchenbacken. Was in München einst als soziales Projekt begann, um älteren Menschen einen Ort für Gemeinschaft, Beschäftigung und neue Kontaktmöglichkeiten zu bieten, hat sich im Laufe der Jahre zu einem richtigen Unternehmen entwickelt. Die "soziale Backstube" im Münchener Stadtteil Theresienhöhe betreibt ein Café, liefert die vielen Kuchen und Gebäckteile, die täglich von den "Kuchentratsch"-Seniorinnen gebacken werden, inzwischen aber auch für Firmenevents und an die Gastronomie und verschickt sie sogar deutschlandweit per Versand.
Zum Angebot der Senioren und vor allem Seniorinnen der Backstube gehören auch Marmeladen - und so ist die Idee zu einem sehr schönen, ganz und gar unprätentiösen Buch entstanden, das jetzt im Münchner Callwey-Verlag unter dem Titel "Die Marmeladen-Königinnen" erschienen ist. Das Programm des 160 Seiten starken Bandes geht dabei weit über jene vier Grundmarmeladen (Erdbeere, Aprikose, Quitte und Himbeere), die momentan im Versand angeboten werden, hinaus. Insgesamt 60 Rezepte haben die neun Omas, die am Ende des Buches mit kleinen Fotos und Mini-Porträts vorgestellt werden, zusammengetragen: von den Grundrezepten für Konfitüre und Gelee über Kombinationen mit Kräutern und Blüten (zum Beispiel Weintraubengelee mit Lavendel) bis zu ungewöhnlichen Kreationen wie Aperol-Spritz-Gelee, Kürbis-Orangen-Marmelade, Paprika-Aprikosen-Mostarda oder Brombeer-Heidelbeer-Konfitüre mit Zartbitterschokolade.
Dazu kommt eine ausführliche Einführung zu Techniken und Methoden, Zutaten und Geräten, Haltbarkeit und Lagerung sowie wichtigen saisonalen Aspekten. Das ist alles von den Machern des Buches mit leichter Hand, aber sehr kenntnisreich und verständlich zusammengestellt, formuliert und illustriert worden - und hat tatsächlich das Zeug, in der einen oder anderen Küche zum Standardwerk zu avancieren. Und dass es sich hier nicht um ein sogenanntes Coffee Table Book zum Durchblättern, sondern um eine eindeutige Aufforderung zum Mit-, Nach- und Selbstmachen handelt, zeigt nicht zuletzt die Innentasche am Ende des Buches, in der sich ein paar Bögen mit Etiketten für die eigenen Marmeladen- und Einmachgläser finden. So strahlt die "Kuchentratsch"-Idee auch in Sachen Marmelade weit über München hinaus. bad.
Kuchentratsch: "Die Marmeladen-Königinnen". Callwey-Verlag,
München 2026, 160 Seiten
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