Dresden

Die zweite Zeit. mit 15 Abbildungen.
Buch (gebunden)
Fünfzig Jahre sind vergangen, seit er als Kind mit seiner Familie nach Dresden gezogen ist, das er 1985 wieder verlassen hat. Nun kehrt Kurt Drawert als Stadtschreiber nach Dresden zurück, wo die Mutter lebt, eine Stadt, die ihm vertraut und doch gan … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Dresden
Autor/en: Kurt Drawert

ISBN: 3406754775
EAN: 9783406754777
Die zweite Zeit.
mit 15 Abbildungen.
Beck C. H.

1. September 2020 - gebunden - 288 Seiten

Beschreibung

Fünfzig Jahre sind vergangen, seit er als Kind mit seiner Familie nach Dresden gezogen ist, das er 1985 wieder verlassen hat. Nun kehrt Kurt Drawert als Stadtschreiber nach Dresden zurück, wo die Mutter lebt, eine Stadt, die ihm vertraut und doch ganz unvertraut ist. Er ist auf der Suche nach etwas, von dem nur er weiß, dass es ihm fehlt. Die Schönheit und die Wunden dieser Stadt, die Risse in der Familie und in der eigenen Biografie, das schwierige Verhältnis zum Vater und den Brüdern, die politisch aufgeladene Stimmung in Dresden, die offenen Fragen nach Tätern und Opfern, in der großen wie in der persönlichen Geschichte, und die Suche nach einer Sprache dafür, sind Themen und Motive in diesem dichten, autobiografischen Roman.

Mit Witz und Feingefühl, mit einem Gespür für die einschneidenden Augenblicke und prägenden Konflikte im Familienleben, einem scharfen Blick für das Detail, mit bissig-analytischem Verstand, unvergesslichen Erinnerungsbildern und großer Sprachkraft erzählt Kurt Drawert von Verwerfungen und Sehnsucht, Wünschen und Brüchen im eigenen Leben und ihrer Verortung in dieser Stadt.

Inhaltsverzeichnis

Bahnhöfe. Ankunft
Töne. Spuren
Heimat. Ankunft
Schuld. Erinnerungsmythos
Pegida. Metaphern
Vaters Buch
Kolumne, SZ
Gespräche. Keine Gespräche
Kolumne, SZ
Lektüre. Randnotizen
Kolumne, SZ
Fehlerwartung. Wahrnehmungsfehler
Schuld. Erinnerungsmythos
Die Diktatur nicht des Proletariats, sondern der Technik
Das verlorene Erbe. Häuser, Straßen, Tod
Lesen. Existieren
Spiegelland / Spaltungen. Zerwürfnisse
Nicht mehr: Im Namen des Vaters
Die Schuld, es zu sagen / oder es nicht zu sagen
Der Sturz. Schultermetapher
Vaters Buch
Der Ort. Schultermetapher
Die Liebe meines Vaters zu seinem Hund
Der Schnitt in den Körper
Subjekte. Objekte
In den Fabriken
Buch Ludwig
Die missglückte Operation. Versagensscham
Vaters Buch
In den Fabriken
Mutters Buch
Das Glück des Sisyphos. Mutters Buch
Schuld. Erinnerungsmythos

Danksagung
Bildnachweis


Portrait

Kurt Drawert, geboren 1956 in Hennigsdorf bei Berlin, lebt als Autor von Lyrik, Prosa, Dramatik und Essays in Darmstadt, wo er auch das Zentrum für junge Literatur leitet. Für seine Prosa wurde Drawert ausgezeichnet u. a. mit dem Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung, dem Uwe-Johnson-Preis, dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Werner-Bergengruen-Preis, für seine Lyrik u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis, dem Lyrikpreis Meran, dem Nikolaus-Lenau-Preis, dem Rainer- Malkowski-Preis, zuletzt mit dem Robert-Gernhardt- Preis 2014. 2017 erhielt er den Lessingpreis des Freistaates Sachsen und war 2018 Dresdner Stadtschreiber.

Pressestimmen

"Kurt Drawerts (...) autobiografisch-soziologische Erkundung (...) reißt manch betäubten Vereinigungsschmerz wieder auf. In der Bibliothek all der Bücher, die sich mit dem gesellschaftlichen Umbruch seit 1989/90 auseinandersetzen, gebührt diesem ein ganz besonderer Platz. Der Autor erzählt keine Geschichten, (...) er seziert sein eigenes Denken und Fühlen, seine Prägung durch die Verhältnisse."
Berliner Zeitung, Cornelia Geissler

"Der Autor schildert sehr treffend den über der späten DDR liegenden Mehltau aus Protestantismus, SED-Spießersozialismus und einer unaufgearbeiteten NS-Verstrickung der Großelterngeneration."
Abendzeitung, Robert Braunmüller

"Das Selbstporträt eines Schriftstellers, der in die Abgründe der eigenen Familiengeschichte und einer politisch erregten Stadtgesellschaft blickt."
Tagesspiegel, Michael Braun

"Eine facettenreiche, bildungsreiche Reise nach Dresden."
mdr kultur, Matthias Schmidt

"Ein gewaltiges, großes Dokument eines ums Verstehen ringenden Blicks auf die eigene Zerrissenheit und die der Stadt und des immer noch geteilten Landes."
Süddeutsche Zeitung, Jörg Magenau

"Sprachgewaltiger Rundumschlag, der uns eindrücklich vor Augen führt, warum die 'politische Reaktionsmaschine' im Osten noch immer in anderer Richtung und Geschwindigkeit läuft als im Westen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nils Kahlefendt

"Der Schmerz ist eine Metapher für die Geschichte. Kurt Drawert ist ein klarer, analytischer Denker, ein Intellektueller."
Deutschlandfunk Kultur Lesart, Jörg Magenau

"Drawert ist als kritischer Poet ein Tausendsassa in allen literarischen Genres."
Tomas Gärtner, Dresdner Neueste Nachrichten

"In 33 Abschnitten mischt Drawerts Buch Gegenwart und Vergangenheit, Politisches und Privates, Beglückendes und Empörendes, Anekdoten und Träume." literaturkritik.de, Dietmar Jacobsen

"Unablässig um Fragen kreisend, wird sein Text zur Tiefenbohrung. (...) Zudem schenkt er uns einige der hellsichtigsten Analysen darüber, wie Pegida und 'ihr siamesischer Zwilling, die AfD', heute Symbole stehlen."
Dresdner Neuste Nachrichten, Tomas Gärtner

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 03.09.2020

Die Maschine arbeitet immer noch

Wiedervorlage der Erinnerung: Kurt Drawert kehrt mit seinem Buch "Dresden - Die zweite Zeit" in die eigene Vergangenheit zurück.

Kennzeichen DA statt DD, das kann teuer werden. Man steht, als Dresdner Stadtschreiber, Hauptwohnsitz Darmstadt, mit seinem Auto in einer Reihe falsch parkender Wagen - und ist der Einzige, dessen Verfehlung mit einem Knöllchen geahndet wird. Kann das Zufall sein? Dazu eine höllisch nervende Klimaanlage in der Stadtschreiberwohnung und all die Präsenz-, Repräsentations- und Bekenntniserwartungen, die das Amt mit sich bringt: "Der Anrufbeantworter blinkt Alarm, als hätte ich Dienst in der Notfallseelsorge." Kein Zweifel, der Ich-Erzähler fremdelt, ein "Zurück-in-der-Heimat-sein-Wollen" würde er entschieden bestreiten, notfalls mit einem Zitat aus seinem Roman "Spiegelland - Ein deutscher Monolog", einem schmalen Bändchen der Edition Suhrkamp, das 1992 für jede Menge "Aufregung, Zorn und Zerwürfnis" sorgte: "Man muss seine Herkunft verlassen", steht da.

Warum also 2017 zurückkehren? Der Erzähler hat noch eine Rechnung offen mit der Stadt, in die er 1967, da war er eben zwölf, mit seiner Familie aus dem Brandenburgischen zog. Die Mutter lebt noch hier; gemeinsam verbrachte Sonntage voller Erinnerungen werden für die Zeit des Aufenthalts zum gern gepflegten Ritual. Nicht ohne Gespür für tragikomische Momente der Beziehung; der mütterliche Putzwahn und ihr Erstes Hausordnungsgesetz - Schuhe aus vor Betreten der Wohnung! - haben sich dem Sohn derartig eingebrannt, dass er sich noch heute unversehens in Socken auf fremden blanken Dielen wiederfinden kann. Doch weitaus grundsätzlicher als solche amüsanten Details gerät die Auseinandersetzung mit dem einst ebenso gefürchteten wie gehassten, inzwischen verstorbenen Vater, einem systemtreuen Kriminalbeamten.

Das zweite große Thema, über die Vaterfigur mit dem ersten verbunden, ist der Versuch, das Phänomen Pegida (und deren "siamesischen Zwilling" AfD) nicht durch mediale Vermittlung, sondern lebendige Anschauung zu begreifen. Dresden ist ein dankbares Pflaster für solcherart teilnehmende Beobachtung; hier, so die Vermutung, zeigt sich die "aufgebrochene Oberfläche einer in sich selbst gespaltenen Gesellschaft" wie in einem Brennglas. Die Stadt wird so auch zum Ort eines Selbstversuchs, zu einem Lackmustest für die schriftstellerische Potenz des Erzählers: "Ich möchte wissen, was mein Schreiben bedeutet, was es erfüllt, wohin es, wenn es stattfindet, will."

"Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen", schrieb einst William Faulkner - ein Satz, den Christa Wolf an den Anfang ihres Erinnerungsromans "Kindheitsmuster" stellte. Bei Kurt Drawert klingt er ein bisschen anders: "Ein System ist auf der Ebene der Instanzen und Institutionen schnell abgewickelt. Seine Kultur aber, jener tiefe innere Text, der die Gewohnheiten und Codes einer kollektiven Verständigung prägte, wirkt fort, solange die Menschen, die sie verinnerlicht haben, noch leben." Meinen jene, die jetzt im Osten auf die Politik einschlagen, in einem Affekt nachgeholten Mutes nicht eher die Bonzen der SED? Der abgrundtiefe Hass etwa auf Angela Merkel ziehe "einen anderen Hass nach sich, der seine Ursprünge im verpassten Vatermord hat: der D.D.R. nicht widersprochen zu haben, als es an der Zeit gewesen wäre".

Die Scham über das eigene Mittun, das Weggucken, die Indifferenz und Leichtgläubigkeit, so hat die Historikerin Ute Frevert kürzlich festgestellt, ist auf Dauer schwer auszuhalten. Narrative wie jenes von der flächendeckenden Demütigung des Ostens durch den Westen entfalten da ihre ganz eigene Macht. Dass Kurt Drawert zwischen Sommer 1990 und Herbst 1991, im Moment des Zusammenbruchs des real existierenden Sozialismus, über Vater und Großvater schreiben musste, war kein Zufall. Der Riss, der durch die Familie ging, war nicht nur ein privater Konflikt, sondern quasi systemimmanent: "Spiegelland" war Drawerts Vatermord, verpackt zwischen Buchdeckel.

Der Erzähler liest sich fest im eigenen, fast dreißig Jahre alten Text, zitiert Lacan, Julia Kristeva und Zygmunt Bauman, er begegnet Jugendfreundschaften, sieht sich mit verdrängten, doch nie verwundenen Demütigungen und eigener Schuld konfrontiert, etwa jener, nichts für den drangsalierten und viel zu früh gestorbenen jüngeren Bruder getan zu haben. Dazu schießen bizarre Träume ein. Eine lineare Erzählung lässt der Prozess des Erinnerns nicht zu. Dresden, das wird im Fortgang des Romans immer deutlicher, ist für Drawert keine Stadt, sondern "ein familiärer Topos, ein Kraftfeld der Zeiten und Ereignisse, ein System der Kränkungen und Enttäuschungen", wie es ihn bis zu seinem Weggang nach Leipzig 1985 und von dort in den Westen begleitet hat. "Und diese Maschine arbeitet, sobald ich die Fabrik betrete, in der sie immer noch steht. Ich bin es, der Dresden nicht zulässt, die Bilder sind es, die sich hinter den Bildern der Gegenwart öffnen und durch die hindurch sich jedes Erlebnis verfärbt."

Drawert, der Schmerzensmann, schont sich nicht. Schreibblockaden, Versagensscham, eine kaputte Schulter als Metapher dafür, all das Leiden der Welt nicht mehr (er-)tragen zu können. Natürlich geht die OP schief. Das ganze Programm, darunter tut er es nicht. Nach zwei Dritteln des Romans diagnostiziert er für sich, sehr hellsichtig, eine "Begabung zur apokalyptischen Fantasie" - die Kehrseite immerhin "eines Vermögens zur Reflexion, zur Analyse, zur produktiven Empfindsamkeit". Zwischen diesen beiden Polen oszilliert Kurt Drawerts sprachgewaltiger Rundumschlag, der uns eindrücklich vor Augen führt, warum die "politische Reaktionsmaschine" im Osten noch immer in anderer Richtung und Geschwindigkeit läuft als im Westen. "Spiegelland" war ein Buch der Verletzung. "Auch dieser erneute Versuch zu verstehen, Spuren zu folgen, die ins Innere der Verhältnisse führen", ahnt der Autor, "wird Verletzung erzeugen."

NILS KAHLEFENDT

Kurt Drawert: "Dresden - Die zweite Zeit". Roman.

Verlag C. H. Beck, München 2020. 294 S., geb.

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